Jana Schrempp – Referentin ECPAT Deutschland e.V.

Jana Schrempp, Referentin ECPAT Deutschland e.V.

Jana Schrempp, Referentin ECPAT Deutschland e.V.

Ein Interview zum Thema Wasser

Was haben Kinder mit dem Thema Wasser zu tun?
Immer wenn menschenrechtliche Fragen in den Blick genommen werden, sind auch Kinder betroffen, die natürlich mehr als nur kleine Erwachsene sind und ganz eigene Bedürfnisse haben, aber eben auch Teil von Gemeinschaften sind. Und auch bei dem Thema Wasser können Bezüge auf die Lebenswelt von Kindern hergestellt werden: Beispielsweise flüchten Menschen vor Wasser sowie vor Wasserknappheit, wodurch auch Kinder betroffen sind. Gerade auf der Flucht sind Kinder besonderen Risiken ausgesetzt.
Neben nicht ausreichendem oder unsauberem Trinkwasser, verbirgt sich auch beim Holen von Wasser ein Risiko für Kinder. In einigen Ländern holen Kinder, insbesondere Mädchen, Wasser für die Familien. Dabei müssen sie dann oft schutzlos sehr lange Strecken zurücklegen.

Inwiefern spielt denn der Tourismus eine Rolle?
Tourismus bringt immer eine Veränderung der Lebensbedingungen mit sich. Die Reisebranche schafft beispielsweise Arbeitsplätze und fördert die Wirtschaft. Dabei ist eine Veränderung nicht nur für Erwachsene zu erkennen, sondern auch für Kinder. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit Verantwortung für das eigene wirtschaftliche Handeln zu übernehmen – eine Sorgfaltspflicht. In diesem Bereich ist ECPAT tätig, wir setzen uns für Kinder ein und haben deren Schutz im Blick, vor allem vor sexueller Ausbeutung.
Tourismus ist nicht die Ursache für sexuelle Ausbeutung von Kindern, vielmehr wird die touristische Infrastruktur für solche Taten missbraucht. Zum Beispiel bieten Strände von Urlaubsdestinationen einen Berührungspunkt zwischen Tätern und Opfern, beispielsweise wenn Kinder Getränke und Lebensmittel am Strand verkaufen oder auch dort spielen. Kontakte zu Tätern werden aber natürlich nicht immer am Strand einer Urlaubsdestination hergestellt, dies kann überall erfolgen und auch mittels digitaler Technologien. Ausbeutung von Kindern findet mal verborgen, mal ganz öffentlich statt. Sexuelle Ausbeutung von Kindern ist auch nicht nur auf einen Kontinent oder eine Destination beschränkt, es geschieht überall. Täter sind nicht nur Touristen, sondern auch Geschäftsreisende, Männer sowie Frauen und es sind nicht nur Mädchen betroffen, sondern oft auch Jungen.

Was wird gegen sexuelle Ausbeutung im Tourismus unternommen?
Es ist wichtig das Unternehmen oder Organisationen eine klare Position beziehen und beispielsweise den Kinderschutzkodex (http://www.thecode.org/) unterzeichnen und eine Kindesschutzpolicy in ihr unternehmerisches Handeln implementieren, so wie Forum anders Reisen es gemacht hat.
Für uns erwachsene Menschen ist es eine wichtige Aufgabe einen Rahmen zu schaffen, um Kinder bestmöglich zu schützen. Nicht nur Unternehmen müssen den Kindesschutz vor Augen haben, sondern jeder und jede Einzelne kann einen Beitrag dazu leisten, in dem er oder sie nicht wegschaut und Verdachtsmomente meldet. Zum Beispiel über die Meldeplattform.
Weitere Informationen rund um das Thema Kindesschutz oder sexuelle Ausbeutung im Tourismus können bei ECPAT bezogen werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch, liebe Jana Schrempp!