11. Reiseetappe: Die Damen der Insel Chira

Vom tief-grünen Regenwald im Norden Costa Ricas mache ich mich auf den Weg zur größten Insel des Landes, der Isla de Chira. Der Lateinamerika-Spezialist avenTOURa unterstützt hier das Projekt Damas de Chira, das ich unbedingt kennenlernen möchte.

Inspiriert von den plätschernden Flussläufen des La Tigra Schutzgebietes beschließe ich, den größten Teil meines Weges über die Flüsse Costa Ricas zurückzulegen. Meine Tour beginnt rasant im Wildwasser des Rio San Luis, dessen Strömungen mich immer wieder in die Luft wirbeln. Mit der Änderung seines Namens in Rio Guacimal, etwas weiter südlich, wird das Gewässer ruhiger und ich lasse mich einfach Flussabwärts treiben – bis an die Pazifikküste.

isla-chira-golf-von-nicoya-bootLiliana, eine der damas, die 1999 die Frauenorganisation Die Damen von Chira gründete, holt mich mit ihrem selbstgebauten Boot an der Küste ab. „Bienvenidos a bordo de La Amistad“, begrüßt mich die 42-Jährige. Außer mir, sind noch einige Reisende an Bord des hübschen Holzbootes mit dem Namen Die Freundschaft. Auf dem Weg zur Insel, die das Zuhause von 3.000 Menschen ist, erzählt uns Liliana mehr über La Chira und wie es zur Gründung ihres Projektes kam. „In den Neunziger Jahren gingen unsere Fischbestände so stark zurück, dass wir große Existenzangst bekamen, denn die Familien hier auf der Insel leben seit Generationen vom Fischfang.“

Einer der Gründe war die Wasserverschmutzung durch Pestizide und Chemikalien der Melonen- und Zuckerrohrplantagen, die den Lebensraum der Fische – die Mangrovenwälder – immer weiter zerstörten und natürlich auch die Meeresbewohner töteten.

„Wir mussten etwas tun und suchten nach alternativen Einnahmequellen, unabhängig vom Fischfang – und unabhängig von unseren Männern“, fügt Liliana verschmitzt hinzu. Es war ein holpriger Start, denn nicht alle der Damen hielten dem Druck ihrer Angehörigen und Nachbarn stand, die den mutigen Schritt der Frauen missgünstig betrachteten und darin eine Überschreitung ihrer Rolle als Frau sahen. Doch Liliana, Isabel und Teodora setzten sich durch.

Die Freundschaft legt am schönen Sandstrand der Insel an. „Seit der Gründung bauten wir das Boot, mit dem ihr gekommen seid, um den unzureichenden Transport von und zur Insel zu verbessern und touristische Bootstouren zu den Mangrovenwäldern anbieten zu können. Wir errichteten diese Zimmer für Übernachtungsgäste, eine Küche mit Ess- und Aufenthaltsraum sowie Sanitäranlagen,“ erzählt Liliana während eines Rundgangs. Ein kleines, aber feines touristisches Angebot entstand.

Ein besonders großes Anliegen der Damen war es, einen zentralen Treffpunkt für die Gemeinde zu schaffen, der allen Bewohnern der Insel mit Informations- und Bildungsangeboten zur Verfügung stehen sollte. So entstand ein Veranstaltungsraum, in dem seit einigen Jahren Themen wie Wasserschutzmaßnahmen, Müllentsorgung, Recycling, aber auch Genderfragen Platz finden.

Liliana, Isabel und Teodora ließen sich zudem vom Umweltministerium zu Hilfs-Parkwächtern ausbilden, was ihnen das Recht gibt, Umweltvergehen in ihrem Gebiet zusammen mit der Polizei zu verfolgen und anzuzeigen. Sie patrouillieren in den Mangrovenwäldern, um diese vor Raubfischerei und illegalen Muschelsammlern zu schützen. Die Damen sind ein wichtiger Stützpfeiler eines Wiederaufforstungsprojekts der Mangroven und Trockenwälder und tragen mit diesen Projekten zur Erholung der Fischbestände bei.2016-08-13_costa-rica-0273-isla-chira

„Besucher können gemeinsam mit uns eine Tour zu den Mangroven unternehmen. Wir achten sehr darauf, dass die Pflanzen durch unsere Touren keinen Schaden neben. Ganz im Gegenteil: Wer möchte, kann gerne einen Baum pflanzen. Kommst du mit Drippy?“

Gerne nehme ich an dieser Tour teil und hoffe, noch mehr von der Arbeit der drei ambitionierten Damen zu erfahren.

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