Drippys 1. Reiseetappe: Wasser aus der Tiefe

Der Wind hat mich etwas unsanft gegen den Bug des Containerschiffs MS Albatros geschleudert, an dem ich mich nun aufgeregt festhalte – und ich bin nicht alleine. Tausend andere Tropfen reisen mit mir, sowohl am Schiff als auch fließend in einem großen Strom – der Elbe. „In Basel soll es im Schaufenster des Reisebüros PRIORI ein Gerät geben, das unzählige Tropfen aus mehreren Metern Tiefe an die Erdoberfläche katapultiert!“ schwärme ich meinen Mitreisenden vor. Dieses Gerät muss ich unbedingt aus der Nähe betrachten!

Unsere Fahrt führt vorbei an den satt-grünen Wiesen der Brandenburgischen Elbtalaue und der imposanten Burg von Tangermünde bis nach Magdeburg. Hier muss ich das Schiff wechseln, um auf dem Mittellandkanal Richtung Westen zu fahren. Die Gischt spritzt mich von einem Bug zum anderen und so ist das Umsteigen eine Leichtigkeit. „Perfekt“, denn um auf den Rhein nach Basel zu gelangen,  muss ich noch zweimal das Schiff wechseln.

Endlich angekommen verschnaufe ich erst einmal an Deck und genieße die Wärme der Sonne. Nach kurzer Zeit verdampfe ich, um aus einer kleinen Wolke direkt über dem Schaufenster von PRIORI Reisen auszusteigen… und da steht sie, die kuriose Achterbahn für Wassertropfen.

Von Franz Stadelmann, dem Inhaber des Madagaskarspezialisten PRIORI, erfahre ich, dass es sich bei dem Gerät um ein Model einer Wasserpumpe handelt. Die gemeinnützige Organisation Agua Alimenta finanziert diese Pumpen in wasserarmen Gebieten und in Regionen, in denen die Beförderung von Wasser aus verschiedensten Gründen erschwert ist. Eine solche Pumpe – im Original natürlich etwas größer als hier im Schaufenster – versorgt ein bis zwei Familien mit Wasser für den täglichen Bedarf zum Kochen, Waschen und um die Felder zu bewässern. Die Technik der Wasserpumpe ist recht simpel, so dass sie vor Ort zu geringen Kosten produziert und gewartet bzw. repariert werden kann. Ein Tropfen, der bereits auf der Stirn einer Person im Fitness-Studio gesessen hat, versteht sofort wie die Wasserpumpe funktioniert, nämlich genau wie ein Stepper. Durch das Treten der Pedale wird die Pumpe aktiviert und Grundwasser an die Erdoberfläche befördert.

„Warum steht das Model dieser Wasserpumpe in Ihrem Schaufenster?“ frage ich neugierig. Seit es das Büro von PRIORI Reisen hier im Madagaskarhaus gibt, stellt Herr Stadelmann sein Schaufenster gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung. PRIORI möchte damit Passanten und Kunden für die Anliegen der Dritten Welt sensibilisieren. Jeweils drei Monate lang wird ein Projekt mittels Fotos, Modellen und Informationen im Schaufenster vorgestellt. Herr Stadelmann war lange in der Entwicklungshilfe in Madagaskar tätig und kennt daher viele der ausstellenden Vereine persönlich. „Ich würde mir wünschen, dass Unternehmen, die freie Schaufensterflächen haben oder ihre Fensterfläche nicht zu nutzen wissen, sich ein Beispiel an uns nehmen und diesen wertvollen Raum gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung stellen.“ PRIORI hat mit dieser Idee eine neue Art des Fundraising und der Öffentlichkeitsarbeit geschaffen, in dem sich Vereine wie Agua Alimenta einmal in einem ganz neuen Kontext präsentieren können.

Obwohl ich keine Probefahrt auf der Tropfen-Achterbahn machen konnte, hat sich mein langer Weg nach Basel gelohnt! Die Idee Schaufensterplatz „zu spenden“ finde ich grandios und möchte sie auf meiner weiteren Reise verbreiten.

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5 comments

  • Klaus V. Reuhl

    Wenn das Grundwasser an die Erdoberfläche gepumpt wird und danach relativ sinnlos auf das Feld gegossen wird macht das wenig Sinn. Die Grundwasserspiegel werden gesenkt, das Gieswasser verdunstet und die Ackerkrume versalzt. Von Beginn an muß das Wasser durch im Boden verlegte Tröpfchenbewässerung den Pflanzen zugeführt werden. Pumpen darf man nur soviel wie man auch den Pflanzenwurzeln zuführen kann.

  • Lea Huesmann

    Sehr geehrter Klaus V. Reuhl,
    vielen Dank für Ihren Hinweis. Sie haben Recht, dass an die Oberfläche beförderte Wasser muss im nachhaltigen Sinne verwendet werden. Wir denken, dass Aqua Alimenta einen guten Weg eingeschlagen hat. Demnach ist es für Sie wichtig, dass eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Landwirtschaft angestrebt wird. Die Projekte sollen sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert für die Menschen bringen und natürlich die Umwelt nicht unnötig belasten.
    Bei den Projekten werden ausschließlich Kleinbewässerungsanlagen installiert und dabei kommt auch die Tropfenbewässerungen zum Einsatz. Diese und noch mehr Informationen im Detail finden sie bei Aqua Alimenta.

  • Horst Görtz, wandern.de

    viel Erfolg bei der Kampagne – auf das uns allen bewußt wird, wie wichtig Wasser ist.

  • Sophie

    Eine tolle Idee um uns allen die Probleme und Möglichkeiten im Umgang mit Wasser näherzubringen. Wir verfolgen Drippys Reise, wünschen ihm viele spannende Entdeckungen und freuen uns wenn er bei uns vorbeischaut …

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