14. Reiseetappe: Wiedersehen in Nepal – Projektbesuch mit dem forum anders reisen

Vor fast einem halben Jahr verließ ich meine kleine Gießkanne im Büro des forum anders reisen, um die Welt des Wassers zu erkunden. Langsam bekomme ich Heimweh und so freue ich mich riesig auf mein nächstes Reiseziel Nepal, denn dort werde ich einen Teil meines Teams aus Hamburg wiedersehen.

In Kathmandu warten Petra Thomas, die Geschäftsführerin des forum anders reisen und Manfred Häupl, der Vorstandsvorsitzende auf mich. Sie haben mir meine Gießkanne mitgebracht, in der ich mit ihnen in das Trekkinggebiet Helambu, nördlich der nepalesischen Hauptstadt, reise. Wir fahren auf einer kurvigen Straße entlang blühender Rhododendronbäume – stets mit dem Blick auf die eindrucksvolle Bergwelt des Himalayas.

So schön es ist, die Natur zu bestaunen, so traurig ist es, die Überreste der Dörfer und Klöster zu sehen, die das Erdbeben 2015 in der Region hinterließ. „Die Erschütterungen mit einer Stärke von 7,8 und dem Epizentrum direkt hier im Helambu Tal zerstörten 90 Prozent aller Häuser“ erzählt Manfred sichtlich ergriffen, als wir in Kutumsang ankommen.

Die Mitglieder des forum anders reisen reagierten sofort und gründeten gemeinsam mit atmosfair eine Initiative zum Wiederaufbau der am stärksten betroffenen Regionen: Neue Energie für Nepal. „Das Besondere an unserem Projekt: Bei der Rekonstruktion von Privathäusern, Lodges, Schulen und Krankenhäusern werden ausschließlich verbrauchsarme Technologien eingesetzt, durch die der CO²-Ausstoß minimiert wird“, hebt Manfred hervor und deutet auf zwei kleine Häuser, die unmittelbar nebeneinander stehen.

Tshering öffnet uns die Tür – er ist der Besitzer des Hauses, in dem er mit seiner fünfköpfigen Familie lebt und der Lodge direkt nebenan, die er schon viele Jahre lang betreibt. Beide wurden mit dem Erdbeben komplett zerstört. „Energie gab es hier vorher nicht, aber schon bald wird der Dung meiner Tiere und die Abwässer des Hauses Gas für uns produzieren“, erzählt Tshering mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, denn der Bau einer Biogasanlage ist geplant.

„Zunächst war das Wichtigste für uns, wieder ein Dach über dem Kopf zu haben und eine Kochstelle, um uns zu versorgen.“ Die erste Phase des Wiederaufbaus beinhaltete daher die Soforthilfe, bei der bereits kleine Solar Panels auf den provisorischen Dächern angebracht wurden. Damit gab es wieder etwas Strom, um Handys aufzuladen und Radio zu hören. Zudem baute Tshering energieeffiziente Öfen in sein neues Haus und die Lodge ein. „Für den Wiederaufbau habe ich ein zinsloses Darlehen erhalten und 50 Prozent der Energieversorgungsmaßnahmen hat Neue Energie für Nepal übernommen.“

Im Haus ist es kuschelig warm. Petra,

Manfred und Tshering sitzen auf dem mit Teppichen ausgelegten Boden und erzählen von Fortschritten und Plänen des Projektes, während ich von den Anstrengungen der letzten Tage müde werde und einschlafe. Ich träume von großen Solar-Panels, die über das gesamte, gut ausgebaute Dach des Hauses und der Lodge reichen. Damit hätte Tshering nicht nur Strom, er könnte auch eine Anlage zur Wasseraufbereitung und -erhitzung unterhalten. Zusammen mit der Biogasanlage würde das Abwasserproblem gelöst und die Hygienebedingungen für die Familie und auch die Gäste der Lodge verbessert.

Im Halbschlaf höre ich Petra erklären: „Wir haben uns dazu entschlossen beim Wiederaufbau mit den Lodges zu beginnen, denn hier in einer der wichtigsten Trekkingregionen rund um Kathmandu, leben die meisten Menschen vom Tourismus. Um eine höhere Wertschöpfung für die Region zu erlangen, wird neben der Energieversorgung auch das Unterkunftsangebot verbessert.“

In meinem Traum sehe ich Tshering, wie er uns stolz eines seiner neuen Lodge-Zimmer präsentiert: „Vorher hatten wir ein großes Bettenlager, jetzt können wir unseren Gästen mehr Privatsphäre und Komfort in neun Doppelzimmern mit eigenem Bad bieten.“

„Drippy? Schläfst du?“ Unsanft reißt mich Manfred aus dem Schlaf. Ich erzähle vom Haus und von der Lodge, die in meinem Traum fertig ausgebaut und rundum mit neuer Energie ausgestattet waren.

„Schon im nächsten Jahr wird es soweit sein. All das werden wir dank der Kompensationszahlungen der Mitglieder des forum anders reisen umsetzen“, bestätigt Tshering. „Außerdem haben uns die Mitglieder zugesagt, ihre Reisegäste in die am Projekt teilnehmenden Lodges einzubuchen.

20 Lodge-Besitzer haben sich bereits für das Projekt Neue Energie für Nepal eingeschrieben. Tshering ist mit seinem Vorzeige-Haus auf jeden Fall weiter dabei – er wird auch anderen Lodge Besitzern helfen, wenn sie Fragen zur Biogasanlage oder all den anderen zukunftsträchtigen Technologien haben. Bald können hier dann  Reisegäste entlang des ersten klimafreundlichen Trekkingpfads wandern und die neuen Lodges genießen.

(Bilder: Biogasanlage – ©atmosfair, Dietrich Brockhagen; Kocher – ©atmosfair)

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