5. Reiseetappe: Forschung auf See – nachhaltiges Segeln

WB_Jahr des Wassers Törn_01Der Wind pustet mir ins Gesicht und drückt mich an das große, weiße Segel der Yacht. Die Aussicht ist atemberaubend: Tiefblaues Mittelmeer soweit ich schauen kann. Bis an den Horizont blitzen die Sonnenstrahlen auf die Wellen und funkeln mit uns, den Tropfen am Segel, um die Wette.

Von Bergamo reiste ich in einer kleinen Regenwolke nach Venedig, um von dort aus mit der Fähre die Adria zu kreuzen. Nach einer langen Fahrt habe ich mir den Segeltörn vor der Küste Kroatiens, zu dem mich Skipper Andreas von Windbeutel Reisen einlud, wohl verdient.

„Herzlich Willkommen auf unserer kleinen Forschungsreise“, begrüßt uns Andreas freudig während er in unsere fragende Gesichter blickt. „Da sich der Segelsport seit jeher als naturnahe und nachhaltig ausgerichtete Aktivität versteht, ist der gewissenhafte Umgang mit kostbaren Ressourcen wie dem Wasser auf unseren Reisen selbstverständlich. Wir möchten diesen Segeltörn mit euch so nachhaltig wie möglich gestalten, um ihn auch zur Nachahmung anzuregen.“

Auch Zuhause lebt Andreas sehr umweltbewusst. Er hat kein Auto, fährt nur mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln und lebt nahezu plastiklos. Kein Wunder also, dass er es sich gemeinsam mit Windbeutel Reisen zur Aufgabe gemacht hat, auf den Segeltörns so viel Süßwasser wir möglich zu sparen und das Meer vor Verschmutzung zu schützen.

Ein sorgsamer Umgang mit Süßwasser ist im Mittelmeerraum äußerst wichtig, denn es ist knapp und seine Produktion kostet viel Energie. Das Ziel ist es, auf dem Segeltörn mit nur 300 Litern auskommen. Im Alltag benötigt eine Person 120 – 150 Liter, um sich 10 Minuten lang zu duschen. „Wie sollen nun acht Personen mit 300 Litern eine ganze Woche lang leben?“, grüble ich nach.

Aber Andreas hat die Lösung parat: „Anstatt uns wie gewohnt zu duschen, baden wir im Meer. An Bord waschen wir uns mit biologisch abbaubarer Seife und nutzen das Süßwasser lediglich, um uns danach kurz abzubrausen.“

Auch das benutzte Geschirr wird nach dem Essen auf diese Art gewaschen. Eine kleine Pumpe, die ähnlich funktioniert wie die Wasserpumpen in Madagaskar, transportiert Meerwasser mittels Pedalen direkt in das Spülbecken. Also ganz einfach: Meerwasser, Seife und nur am Ende ein wenig Süßwasser.WB_Jahr des Wassers Törn_08

Auf dem Wochenmarkt der kleinen Hafenstadt Zadar kaufen wir frisches Obst und Gemüse für unsere Reise ein. Andreas legt viel Wert darauf, regionale Produkte – möglichst ohne Plastikverpackung – zu kaufen. Nachhaltigkeit im doppelten Sinne. „So unterstützen wir die regionalen Hersteller von Lebensmitteln. Da hier – anders als im Supermarkt – nichts in Plastik eingepackt ist, wird auch die Umwelt geschont.“ Abfall lässt sich natürlich nicht zu 100 Prozent vermeiden, aber er wird an Bord getrennt und im Müllcontainer des nächsten Hafens entsorgt.

Alle Gäste – inklusive mir – sind begeistert von der Nähe zur Natur, der alternativen Duschweise und natürlich der beeindruckenden Landschaft der kroatischen Inselwelt. Und das Beste an der Reise: Dank unserer Sparmaßnahmen von Süßwasser und der Vermeidung von Müll können wir die komplette Woche auf See bleiben und müssen zwischendurch keinen Hafen ansteuern! AHOI!

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1 comment

  • Claudia, contrastravel

    Den Süßwasserverbrauch mehrerer Personen so sehr zu reduzieren und überflüssige Verpackungen zu sparen, ist eine großartige Leistung. Viel Erfolg mit diesem Projekt! 🙂

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