Acht Tage Wanderglück in Nordwales mit Boundless Reisen – ein Reisebericht aus dem Land der Drachen!
Schon lange träumte ich von einem Wanderglück in Nordwales – diese Mischung aus Bergen, Meer, grünen Tälern und kleinen, traditionsreichen Ortschaften hatte mich schon auf Bildern fasziniert. Als ich dann auf die Wanderreise stieß, wusste ich intuitiv: Das ist genau das Richtige für mich. Was ich aber nicht erwartet hätte, war, wie sehr mich diese Woche tatsächlich berühren würde.
Ankommen im Land der Legenden
Unsere Gruppe traf sich am späten Nachmittag des Ankunftstages im traditionsreichen Royal Victoria Hotel in Llanberis. Nun lernte ich die (sehr kompetent wirkende) Reiseleiterin und die anderen Mitreisenden kennen – eine bunt gemischte Gruppe, wie man sie sich nur wünschen kann: neugierig, offen, naturverbunden… und wanderbegeistert!
Unser Hotel lag in einem großen Grundstück mit einem parkähnlichen Wald am See Llyn Peris, darin lag auch eine kleine walisische Burg aus dem Mittelalter, Dolbardan Castle, von der man einen tollen Blick auf die Schieferbrüche hatte!!
Das Zentrum der kleinen historischen Bergbau-Ortschaft Llanberis lag mit 200 m Entfernung in Laufdistanz – und drumherum die höchsten Berge von Wales und der Eryri (Snowdonia) Nationalpark. Besser geht es nicht!
Ich hatte das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen, die sich nicht nur landschaftlich anders – urtümlicher? – als England anfühlte. Die Zeit tickt hier einfach langsamer. Dazu die walisische Sprache, die man überall auf Schildern sieht, auf der Straße und in den Geschäften hört, die kleinen, urigen Cottages, die hohen, schroffen Berge, die klaren glitzernden Seen. Ich fühlte mich, als hätte ich einen Ort gefunden, der gleichzeitig vertraut und doch wunderbar fremd war.
Llanberis – Tradition und Freiheit zwischen Schiefer und Berg
Unsere erste Wanderung rund um Llanberis zeigte mir, wie tief Geschichte und Natur hier miteinander verflochten sind. Direkt vom Hotel aus ging es los. Vom Seeufer des Llyn Padarn stiegen wir durch alte Eichenwälder auf, die knorrigen Bäume überzogen von Moosen und Flechten– ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Dieser Moment war schon das erste kleine Stück meines Wanderglücks.
Je höher sich der Weg in Serpentinen den Hang hoch schlängelte, desto deutlicher traten die Spuren des Schieferabbaus hervor: terrassenartige Hänge, Mauern und alte Metallstrukturen. Zwischen ihnen öffneten sich immer wieder eindrucksvolle Ausblicke: über die beiden Seen, hinüber zu den Bergflanken des Snowdon-Massivs und tief hinein in das Tal. Die Landschaft erzählte ihre Geschichte ohne viele Worte.
Beddgelert – ein Tal voller Magie und alter Wälder
Besonders berührt hat mich die Wanderung rund um Beddgelert, ein malerisches Dorf im Herzen eines langen, grünen Tals. Mit seinen Natursteinbrücken, bunt gestrichenen Türen und einem Bergfluss, der sich über dicke Steine mitten hindurchschlängelt, wirkt es wie ein Ort aus einem alten Bilderbuch. Diese Wanderung fühlte sich wie das wahre Wanderglück an. Wir wanderten durch dichte, alte Eichenwälder, deren Krüppeleichen wild ineinander wachsen und in deren Schatten Moose und Flechten in allen Grüntönen leuchten. Diese Wälder sind Überreste des keltischen Regenwaldes, eines uralten, gemäßigten Ökosystems, das sich wie ein lebendiges Märchen anfühlt. Kein Wunder, dass die Waliser an Elfen glauben…
Zwischen Bachläufen, Wasserfällen und offenen Hügeln öffneten sich immer wieder neue Blicke auf die raue Berglandschaft. Die Reiseleiterin kannte sich super aus und während wir unterwegs waren, hörten wir die Legende um den Hund Gelert – eine jener Geschichten, die hier seit Jahrhunderten erzählt werden und die eng mit der Landschaft verwoben zu sein scheint.
Was mir noch positiv an dem Tag aufgefallen ist – wir haben den öffentlichen Bus genutzt, um nach Beddgelert zu gelangen. Zum einen nachhaltiger, zum anderen aber auch ein kleines bisschen das Gefühl wirklich mit „Locals“ unterwegs zu sein!
Wind, Wellen & Möwengeschrei – die Llyn-Halbinsel
Der folgende Tag führte uns ans Meer auf die Llyn-Halbinsel – nicht weit entfernt, aber komplett anders. Wir liefen entlang eines Abschnitts des Küstenpfads, der hoch über schroffen Klippen verläuft. Unten brandeten die Wellen gegen dunkle Felsen, während über uns Seevögel kreisten. Der Wind war kräftig, aber wohltuend – und er ließ die Luft nach Salz und Abenteuer schmecken. Immer wieder blieben wir stehen, um die Aussicht zu genießen oder einfach nur tief durchzuatmen. An manchen Stellen führte uns der Pfad zu Stränden hinab – mal sandig, mal steinig – die zwischen Klippen eingebettet lagen – abgeschieden, kraftvoll und voller Bewegung. Es war ein Tag, an dem ich die Weite spürte und zugleich die beständige Kraft des Meeres, das diese Küste seit Jahrtausenden formt. Beeindruckend, wie vielfältig die Landschaft ist!
Zwischen Entdecken und Durchatmen – mein freier Tag
Den freien Tag nutzte ich, um mich etwas treiben zu lassen. Am Vormittag erkundete ich das National Slate Museum, das direkt unter den ehemaligen Steinbrüchen liegt und zu Fuß in wenigen Minuten vom Hotel zu erreichen ist. Dort gab es viel Interessantes zur Geschichte des Schieferabbaus. Die Werkstätten sehen so aus, als würden die Arbeiter gleich zurückkehren; alles wirkt authentisch, greifbar und leise erzählend. Besonders beeindruckend fand ich eine Vorführung, wie Schiefer in feine Dachplatten gespalten wird – präzise, rhythmisch, fast poetisch.
Am Nachmittag fuhr ich mit einigen anderen aus unserer Gruppe dem öffentlichen Bus (Llanberis ist wirklich gut angebunden und nach der Fahrt mit der Reiseleitung nach Beddgelert, wusste ich wie es geht!) nach Caernarfon, dessen mittelalterliche Burg wie ein steinerner Wächter an der Küste thront. Ihre mächtigen Mauern und die labyrinthartigen Gänge im Inneren machten sie zu einem faszinierenden Ort, an dem man sich leicht vorstellen kann, wie hier einst politisches Leben, Handel und Verteidigung ineinandergreifen. In den Gassen dahinter fand ich kleine Kunstläden, walisische Musik und gemütliche Cafés – ein wunderbarer Mix aus Geschichte und Gegenwart.
Andere Gäste haben den Tag genutzt, um am See in Llanberis einen Badetag einzulegen oder gar die Bergbahn zum Gipfel von Mount Snowdon zu nehmen, jeder so, wie er es wollte!
Am Snowdon – entlang stiller Bergseen
Natürlich durfte eine Wanderung am Snowdon (die Waliser nennen ihn Yr Wyddfa) nicht fehlen. Der Miner’s Track führte uns zunächst sanft an einem See entlang, bevor er sich immer tiefer in eine Szenerie aus steilen Hängen und dunkelgrünen Bergschatten hineinwand. Je weiter wir gingen, desto wilder wurde die Landschaft. Der Blick auf den Bergsee Llyn Glaslyn, eingebettet zwischen kantigen Felswänden, war einer der ergreifendsten Momente der Woche – ein Ort, der eine stille Kraft ausstrahlt. Ich hatte selten das Gefühl, einem Berg so nahe zu sein, ohne ihn zu besteigen. Es war einer dieser besonderen Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint – ich fühlte mich unendlich frei und gleichzeitig tief verbunden mit dieser Landschaft.
Conwy – Berge, Burg & Segelboote – und ein Garten wie im Traum
Die Wanderung am Conwy Mountain war noch einmal ein starker Kontrast. Die Höhen sind von Heidekraut bedeckt, dessen Farben sich mit jedem Schritt verändern – mal dunkelviolett, mal rosa, mal ein sanftes ein dunkles Grün. Von oben bot sich ein grandioses Panorama: nach Nordwesten der bunte Badeort Llandudno, die wilde Halbinsel Great Orme und das Meer – nach Südosten der Blick in die Bergwelt von Snowdonia. Ein Anblick, den man nicht so schnell vergisst!
Conwy selbst war eines meiner persönlichen Highlights. Die Ortschaft hat so viel zu bieten: Die Burg mit der noch komplett erhaltenen Stadtmauer, die malerische Lage an der Mündung des Flusses Conwy ins Meer, die Segelboote, die farbenfroh in der Sonne schaukelten, die kleinen Gassen mit Geschäften, Galerien und Cafés… Ich hätte stundenlang fotografieren können! Aber ich habe lieber einen Teil der Zeit genutzt, ein originalgetreu ausgestattetes Kaufmannshaus aus dem 16. Jahrhundert zu besichtigen. Wie eine Zeitreise, absolut empfehlenswert!
Zum Abschluss besuchten wir Bodnant Garden, einen großen, wundervoll angelegten Garten: Farben, Düfte, Terrassen voller Pflanzen, Schattenplätze unter alten Bäumen – ein Garten, der nicht gestelzt, sondern beinahe natürlich wirkte, obwohl er sorgfältig angelegt ist. Für mich war es der perfekte Ausklang: Nach den wilden Landschaften der Tage zuvor fühlte sich dieses Blütenmeer wie ein poetischer Kontrastpunkt an
Gemeinschaft, Ruhe und das Gefühl, wirklich „unterwegs“ zu sein
Was diese Reise für mich besonders wertvoll machte, war die Art, wie sie organisiert war. Wir wanderten in einem angenehmen Tempo und hatten immer ausreichend Zeit, die Wege wirklich zu erleben – nicht nur entlangzugehen. Unsere Reiseleiterin war kompetent, humorvoll und unglaublich aufmerksam. Sie schaffte es, sowohl Wissen zu vermitteln als auch eine warme, familiäre Atmosphäre zu schaffen.
Abends saßen wir häufig noch gemeinsam zusammen, tranken ein walisisches Bier oder einen walisischen Apfelcider, lachten viel und tauschten unsere Eindrücke des Tages aus. Trotz der vielen Erlebnisse fühlte sich die Reise nie überladen an. Im Gegenteil: Ich hatte stets das Gefühl, nach jeder Etappe nicht nur müde, sondern erfüllt zu sein.
Das Hotel war toll und das Essen – ganz anders als der Ruf der britischen Küche – wirklich gut! Insgesamt war also alles genauso, wie man es sich wünscht!
Nachhaltig!
Mir ist wichtig, dass ich mit meinen Reisen keinen negativen Impakt auf mein Reiseziel habe. Daher fand ich es sehr positiv, dass Boundless Wert daraufgelegt hat, die Reise so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Das Hotel ist in Familienbesitz und nutzt lokale Zulieferer, wo es ging, haben wir den öffentlichen Nahverkehr genutzt – und wenn wir einen Charterbus brauchten, dann war es ein kleines lokales Unternehmen, das sonst die Schulkinder fährt. Mit anderen Worten, fast all unser Geld floss zurück in die lokale Wirtschaft und verschwand nicht in einem großen Unternehmen irgendwo auf der Welt, weit weg von Wales. So sollte Tourismus sein – individuell, persönlich und zum Nutzen der Einheimischen!
Ein persönliches Fazit
Ich bin mit hohen Erwartungen nach Wales gereist – und mit noch größerer Begeisterung zurückgekehrt. Diese Woche war für mich das ultimative Wanderglück: perfekte Mischung aus Bewegung, Natur, kulturellen Einblicken und echter Entspannung – und jede Wanderung hielt etwas Besonderes bereit.
Wenn ich an diese Reise zurückdenke, sehe ich nicht nur Berge, Seen und Küsten. Ich höre auch die kehlig-rauh und gleichzeitig melodisch-singende Sprache der Waliser, die überall mitschwingt – Diolch, Croeso, Bore da – und ich spüre die Wärme der Menschen, die stolz auf ihr Land sind. Ich erinnere mich an das Gefühl, durch uralte Wälder zu gehen, an den salzigen Wind des Meeres, an das Leuchten der Heide, an das leise Geschichtenerzählen der Landschaft – und an das Lachen unserer Gruppe und diese stille Zufriedenheit, wenn man nach einem erfüllten Tag ins Bett sinkt.
Nordwales hat mich nicht nur beeindruckt – es hat mich bereichert.
Bilder:
© Boundless


