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Eine bunte Küstenstadt mit einer stürmischen Brandung.

Costa Brava

Ausgerechnet DU fährst an die Costa Brava?!
Was willst du denn da?

So wunderten sich Freunde und Bekannte. Wer denkt bei Costa Brava nicht an Bettenburgen und Partymeilen? Und auch die auf der französischen Seite Kataloniens gelegene Côte Vermeille ist in Deutschland ungefähr so unbekannt wie die spanische Costa Brava verrufen. Dabei bietet der nördliche Teil der katalanischen Küste vom Künstlerort Collioure bis zum Naturschutzgebiet Cap de Creus Küstenwanderungen, die zu den schönsten am Mittelmeer gehören.
Landschaftlich und kulturell bilden beide Regionen am Ausläufer der Pyrenäen eine Einheit, die Trennung in zwei Staaten ist „künstlich“: Im Jahr 1659 musste Spanien die Grafschaft Roussillon in Nordkatalonien an Frankreich abtreten.
Das Gebiet rund um die heutige französisch-spanische Grenze ist vor allem außerhalb der Hochsaison ein fantastisches Wanderziel.

Côte Vermeille, die „leuchtend rote Küste“ oder auch „Zinnober-Küste“ (Lisa Fittko in „Mein Weg über die Pyrenäen“), ist der südwestlichste Abschnitt der französischen Mittelmeerküste. Sie gehört zum französischen Département Pyrénées-Orientales (Ostpyrenäen) mit der Nummer 66 in der 2016 neugeschaffenen Region Okzitanien (französisch Occitanie), ehemals Languedoc-Roussillon und Midi-Pyrénées.
Costa Brava (spanisch und katalanisch für „wilde Küste“) nennt man die nordöstlichste Küstenregion am spanischen Mittelmeer. Sie liegt in der autonomen Region Katalonien. Den Namen benutzte 1908 erstmals der Schriftsteller Ferran Agulló in der Zeitung La Veu de Catalunya. Administrativ gehört die Costa Brava zur Provinz Girona.

Küstenweg von Collioure bis Cadaqués
Sentier Littoral, Camí de Ronda

Küstenweg heißt auf Französisch Sentier Littoral, auf Katalanisch Camí de Ronda und auf Spanisch (Kastilisch) Camino de Ronda. Die Küstenpfade entlang der Mittelmeerküste wurden von Fischern seit vielen Jahrhunderten genutzt, um Buchten und Dörfer auf dem Landweg zu erreichen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte der Zoll den Wert der Wege, um nach Schmugglern Ausschau zu halten. Die zerklüftete und damals noch sehr einsame Küste mit ihren vielen versteckten Buchten bot sich für den Schmuggel geradezu an. Während der Dämmerung oder nachts näherten sich die großen internationalen Handelsschiffe der Küste. Sie legten in keinem der Häfen an, sondern verringerten nur ihre Geschwindigkeit, um einige Kisten oder Fässer mit Schmuggelware an Fischerboote zu übergeben. Die Waren wurden anschließend in den zahlreichen kleinen Buchten oder Höhlen der Küste versteckt. Von dort beförderte man sie zu einem bereitstehenden Lastwagen und dann zu den Zwischenhändlern und Märkten auf dem Festland. Die Blütezeit des Schmuggels begann nach dem Zweiten Weltkrieg und dauerte bis etwa 1958 an. Viele Produkte waren damals entweder rationiert, begrenzt verfügbar oder verboten.
Mit dem Nachlassen des Schmuggels und der moderneren Ausstattung des Zolls gerieten die Küstenwege etwas in Vergessenheit. Erst mit Beginn des Tourismus Anfang der 1970er-Jahre wurde der ein oder andere Pfad wieder instand gesetzt, um neue Badebuchten zu erschließen. Nach und nach entwickelte sich daraus ein dichtes Netz von Küstenpfaden, so wie wir es heute kennen. Einige der früheren Wege sind allerdings ein Opfer des Baubooms für Ferienhäuser und Hotels geworden. Rund um die Ortschaften führen die Wanderwege nun gelegentlich durch die Berge oder ein Stück die Küstenstraße entlang.

Eine Startue von Salvador Dalí am Strand von Cadaqués erinnert an den Maler.
Kleine Häuser eines ehemaligen Fischerdorfes hinter kalen Bäumen und kleien Booten am Strand.
6 Etappen Traumküste

Eine länderübergreifende Streckenwanderung führt in 6 Etappen vom südlichsten Teil der französischen Mittelmeerküste bis zum Ende des Naturparks Cap de Creus in Spanien. Die katalanische Küste – in Frankreich Côte Vermeille, in Spanien Costa Brava genannt – ist kulturell und geschichtlich seit vielen Jahrhunderten eine Einheit. In beiden Teilen wird katalanisch gesprochen und man nennt den französischen Teil auch Pays Catalan oder Catalunya del Nord. Landschaftlich sind sie von den Ausläufern der Pyrenäen geprägt, die am Cap de Creus ihren unvergleichlichen Abschluss finden.
In Frankreich sind die Küstenwege gelb markiert, in Spanien folgen sie vielfach der weiß-roten Markierung des GR 92.

Kulturelle Highlights: Collioure

„Es gibt in Frankreich keinen blaueren Himmel als den von Collioure. Ich brauche nur die Fensterläden zu öffnen, und schon habe ich alle Farben des Mittelmeeres bei mir.“ Henri Matisse, 1905
Henri Matisse und André Derain kamen im Jahr 1905 nach Collioure, um dort den Sommer zu verbringen. Die beiden Künstlerfreunde waren von der Pracht der südlichen Farben tief beeindruckt. Die Hauptströmungen in der Malerei sind zu dieser Zeit Impressionismus und Neoimpressionismus. Die jungen Künstler standen unter dem starken Einfluss ihrer Vorbilder van Gogh, Gauguin und Cézanne. Matisse schrieb dazu: „Als ich zu malen begann, standen wir zu unseren Vorgängern nicht im Widerspruch, und wir äußerten unsere Ansichten vorsichtig und allmählich. Die Impressionisten waren die anerkannten Führer, und die Nachimpressionisten gingen in ihren Fußstapfen. Ich tat das nicht.“
In Collioure lösten sich Matisse und Derain nun langsam vom Post-Impressionismus und suchten den Weg zur „subjektiven Farbe“. Derain spricht von einer neuen Konzeption des Lichts, die „alles ausrotten muss, was die Unterteilung der Farbtöne mit sich bringt“. Die neue Kunstrichtung des Fauvismus entsteht. Die ersten Werke tasten sich noch heran, wie Derains Bateaux de pêche à Collioure und Matisses Fenêtre ouverte à Collioure. Dann, zurück in Paris, malt Henri Matisse Femme au chapeau, das als eines der Hauptwerke des Fauvismus gilt. Die bisher verwendete Farbperspektive, warme Töne im Vordergrund, kühle bläuliche Farben für die Tiefenwirkung, ist aufgehoben. Konturlos sind knallig leuchtende Farben nebeneinandergesetzt.
Viele andere Künstler zog es bald ebenso nach Collioure. Georges Braque, Raoul Dufy, Albert Marquet und Pablo Picasso wollten den Ort erleben, der Matisse und Derain so inspiriert hatte.

Die Dächer einer Stadt und eine Bucht voller kleiner Schiffe.
Eine Wanderin schaut von grün bewachsenen Felsen aufs tief blaue Meer.
…und Cadaqués

Der unbestritten schönste Ort an der ganzen Costa Brava: das 3 000 Einwohner große Cadaqués. Die spätgotische Kirche Santa Maria mit ihren barocken Altären liegt am höchsten Punkt des ehemaligen Fischerdorfs. Sie bildet das Zentrum und weithin sichtbare Wahrzeichen von Cadaqués. Umringt von der Altstadt mit schmalen, im Fischgrätenmuster gepflasterten Gassen, die von der geschützten Bucht den Hang hinaufstreben. Das Bilderbuchdorf im Naturschutzgebiet Cap de Creus zieht schon seit Langem Künstler in seinen Bann. Nachdem Dalí sich im benachbarten Portlligat niederließ, kamen Freunde und Kollegen in Scharen. André Breton, Gabriel García Márquez, Luis Buñuel, Marcel Duchamp, Max Ernst, Man Ray und viele andere erlagen der einzigartigen Ausstrahlung von Cadaqués.
Als Kind verbrachte Salvador Dalí viele Sommer in Cadaqués im Haus der Familie seines Vaters. Er war verzaubert vom Fischerdorf mit seinen an den Hang geklebten weiß getünchten Häusern und dem mediterranen Licht. Nach seiner Zeit in Paris und New York zog es ihn wieder in die geliebte Heimat zurück. Er kaufte 1930 mehrere kleine Fischerhütten in Portlligat bei Cadaqués. In über 40 Jahren schufen seine Frau Gala und er nach und nach die labyrinthartigen Verbindungen zwischen den Zimmern, den Innenhöfen und dem Garten. „Eine wahre biologische Struktur … Jedem neuen Impuls in unserem Leben entsprach hier eine neue Zelle, ein Raum.“

Bilder:

© Ardèchereisen

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