Durch Lupinenfelder und über einsame Bergpässe: So erlebst du Island bewusst und entspannt
Ein Lupinenmeer unter der Mitternachtssonne, ein verregneter Lesetag im Ferienhaus und die geteilte Freude an den schönsten Plätzen Islands sind für mich die eindrücklichsten Erinnerungen an meine letzte, unvergessliche Reise auf die Insel im Nordmeer. Island ist für mich ein zweites Zuhause, da ich dort drei Jahre gelebt habe. Ich stille meine Islandsehnsucht mit regelmäßigen Besuchen. Oft verbinde ich diese damit, Freunden und Familie die Schönheit des Landes zu zeigen. Diesmal sind meine Mutter und mein Bruder mitgekommen. Schon etwa acht Monate vorher haben wir mit der Planung des 10-tägigen Familienurlaubs angefangen. Selbst für mich als Reiseberaterin mit jahrelanger Island-Erfahrung ist eine Reise dorthin immer wieder ein besonderes Erlebnis. Kommt mit auf unsere Islandreise und erfahrt, wie ich so eine Reise plane und worauf ihr während eurer Tour achten könnt, damit ihr Erinnerungen schafft die noch lange bleiben.
Mit Plan treiben lassen
Im Urlaub sind wir keine Frühaufsteher. So starteten wir die Tage ohne Wecker und mit einem ausgiebigen Frühstück. Etwas, was im Alltag zu Hause fast immer zu kurz kommt. So begannen unsere Ausflüge meist erst gegen frühen Mittag. Da wir im Juni rund um die Sommersonnenwende in Island unterwegs waren, hatten wir fast 24 Stunden Tageslicht. Unsere Ausflüge haben wir so gestaltet, dass wir zwar einen Plan hatten, ihn aber spontan ändern konnten. So hat uns ein – von der Autovermietung schnellstmöglich und unkompliziert gelöstes – Autoproblem dazu gezwungen, unseren Ausflug auf die Halbinsel Snæfellsnes in den späten Nachmittag zu verschieben: Freie Straßen, kaum Menschen an den beliebten Stellen, eine wunderschöne Rückfahrt unter der Mitternachtssonne durch neblige Lupinenfelder und ein nachmitternächtliches Bad im Hot Pot sind für immer in unsere Erinnerungen eingezogen.
Kleine Abzweigungen, große Wow-Momente
Die Ringstraße in Island ist der sicherste und einfachste Weg, alle möglichen Sehenswürdigkeiten der Insel zu erreichen. Sie ist asphaltiert und vor allem in den Sommermonaten viel befahren. Über road.is könnt ihr euch informieren, welche Straßen darüber hinaus gut befahrbar sind. Auch über einige der Schotterstraßen dürft ihr mit etwas Umsicht mit einem normalen PKW fahren. Achtet auf Beschilderungen und die Informationen der Autovermietung. Beispielsweise waren wir im Westen mit unserem Allradfahrzeug auf einer Schotterstraße unterwegs. Wir waren uns nicht sicher, ob wir sicher dahin kommen, wo wir hin wollten. Nachdem uns Einheimische davon abgeraten hatten, diese Straße zu nehmen, sind wir umgedreht und haben uns für eine andere, sicherere Route entschieden. Auch das ist manchmal besser, als in eine ausweglose Situation zu geraten. So haben wir eine der schönsten hochlandähnlichen Strecken entdeckt, die man im Sommer sogar mit einem normalen PKW befahren kann. Und das mit weiten Ausblicken über die Gletscher- und Vulkanlandschaften nördlich des Þingvellir Nationalparks. Durch den schönen Umweg erreichten wir auch an diesem Tag den Nationalpark am späten Nachmittag, als die meisten Reisebusse bereits abgefahren waren. Das Gelände ist außerdem so weitläufig, sodass man Wege gehen kann, auf denen weniger Menschen unterwegs sind.
Ähnlich gestalteten wir den Tag, an dem es zu weiteren Attraktionen des Golden Circle gehen sollte. Da wir uns bereits in der Region befanden, haben wir uns Zeit gelassen und einen Einkauf für die nächsten Tage dazwischen geschoben, um möglichst spät am Wasserfall Gullfoss anzukommen. Dort stärkten wir uns vor der Besichtigung mit einer wärmenden, typisch isländischen Kjötsupa. Anschließend standen wir gegen 21 Uhr mit nur einer Handvoll weiterer Menschen staunend am Geysir.
Manche Tage lassen sich nicht anders planen, als dass man zu bestimmten – und bei allen beliebten – Zeiten an Sehenswürdigkeiten ankommt. Island ist ein weitläufiges Land und selbst an den beliebtesten Spots gibt es Wege, die nicht alle gehen. Wir haben außerdem entschieden, die Stopps an der Südküste aufzuteilen, da wir die Strecke zweimal gefahren sind. So haben wir auf dem Hinweg – ein Regentag – nicht alle Wasserfälle auf einmal angeschaut, um die restlichen Wasserfälle auf dem Rückweg zu besichtigen. Gute (Wetter-)Momente haben wir sofort genutzt, denn der spätere Moment kann ganz anders sein. Am wichtigsten ist: die Augen offen halten, den Moment genießen und sich freuen – ob nur für sich allein oder auch mit den anderen.
Mehr Schafe als Menschen: Die Magie der Nebensaison
Wer nicht in den Sommermonaten Juni, Juli und August in Island unterwegs sein kann oder will, dem empfehlen wir die angrenzenden Monate. Mai und September sind auch richtig gute Reisemonate in Island. Der Mai hat den Vorteil, dass die Nächte bereits hell sind – also lange Reisetage ohne Nachtfahrten – und die putzigen Papageientaucher schon ihre Nistplätze im Land eingenommen haben. Der September riecht noch etwas nach Sommer und es ist sogar möglich, die ersten Nordlichter zu sehen. Schafe sind in Island meist in den Monaten Mai bis September draußen unterwegs, deshalb gilt in der Zeit zusätzliche Vorsicht auf den Straßen.
Erleben, was bleibt
Noch Monate nach unserer Islandreise im Juni gibt es so viele schöne Momente, an die ich mich gern erinnere: der frische Fisch mit frischen Kräutern aus dem Ofen nach einem langen Fahrtag am spiegelglatten stillen See; die spielenden Robben in der Gletscherlagune; die kreischenden Küstenseeschwalben über unseren Köpfen im Abendlicht in Arnarstapi auf der Halbinsel Snæfellsnes; die lustigen Flattergeräusche der langschnäbeligen Bekassinen an unserem Ferienhaus; die Wanderung im Skaftafell-Nationalpark oberhalb des Gletschers und die Fahrt auf der neuen Straße über das noch frische Lavafeld bei Grindavik bei Sturm und Regen. Die Islandbatterien sind vorerst aufgefüllt, bis das nächste Nordland-Abenteuer wartet.
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Bilder:
© Maria Petersen


