Ein lila Lavendelfeld in Japan.

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Frau steht in einem rötlichen Kimono und verbeugt sich.

Japan Geheimtipps: Die unterschätzten Regionen, die mich nicht mehr loslassen

Ein Interview zwischen Svenja Eisenacher (forum anders reisen) und Karen Wittel, atambo tours (Boutique Reiseveranstalter und Japan-Spezialist) zu Japan Geheimtipps.

Japan – „Ich verrate Dir was…

Karen Wittel zu Japan

Ich verrate Dir etwas: Bei jeder Reise nach Japan gibt es diesen Moment, der mich erneut überrascht. Plötzlich merke ich: Ach so, auch das ist Japan. Mal ist es ein verschneiter Onsen in einer Bergmulde, in dem der Dampf im Wind tanzt. Dann wieder ein Sommerabend auf Hokkaido. Oder ein kleines Dorf mit nur drei Straßen – aber Geschichten, die weit über sich hinausweisen.

Vielleicht kennst Du das Gefühl, wenn ein Land größer wird, je besser Du es kennst. Genau so ist es für mich. Außerdem spreche ich deshalb so gern über die Regionen, die wir Deutschen nicht unbedingt auf dem Zettel haben. Denn das sind Orte, an denen Du ankommst und sofort spürst: Hier geht’s um Begegnung, nicht um Fotos.

Heute nehme ich Dich mit zu genau diesen „Japan Geheimtipps“: Yukiguni, Oita, Tsuruoka, Hokkaido im Sommer und Winter – und in die wunderbare Welt der japanischen Luxuszüge.

Kapitel 1 – Warum die spannendsten Japan Geheimtipps oft abseits der Postkartenmotive liegen

Svenja Eisenacher: Wenn Du Deinen Gästen erzählst, dass die spannendsten Japan-Reisen oft abseits der Postkartenmotive liegen – wie reagieren sie?

Karen Wittel: Mit einem kleinen Innehalten. Viele spüren intuitiv, dass sie eigentlich etwas suchen, das nicht im Standardprogramm steht. „Dort wird es besonders spannend, denn Tokio, Kyoto, Osaka – klar, sie gehören dazu – sind nur die Oberfläche. Das wahre Japan liegt zwischen den Linien.

Svenja Eisenacher: Und was bedeutet nachhaltiges Reisen für Dich – gerade in Japan?

Karen Wittel: Nachhaltigkeit hat für mich viel mit Aufmerksamkeit zu tun. Wenn wir Regionen besuchen, die weniger bekannt sind – Yukiguni, Oita, Tsuruoka –, stärken wir die Gemeinden und erleben gleichzeitig Orte, an denen niemand nervös auf die Uhr schaut, weil der nächste Reisebus wartet. Zudem möchte ich betonen, dass all diese Ziele unter Japanern beliebt sind

Svenja Eisenacher: Welche Art von Japan möchtest Du zeigen?

Karen Wittel: Das, was ich „das langsame Japan“ nenne. Orte, an denen die Menschen Zeit für Dich haben. Landschaften, die Dich nicht anschreien, sondern einladen. Und Alltagsmomente – beim Kochen, Pilgern, Baden –, die oft mehr erzählen als jeder Tempel.

Svenja Eisenacher: Was sind die Glanzlichter dieses „anderen Japans“?

Karen Wittel: Die Stille. Die Begegnungen. Und das Gefühl, dass man nicht nur durch ein Land reist, sondern durch Lebensweisen.

Svenja Eisenacher: Und gibt es eine Begegnung, die Dich geprägt hat?

Karen Wittel: Eine ältere Dame in Yukiguni sagte einmal: „Der Schnee schützt uns. Und bringt uns zusammen.“ Dieser Satz ist für mich eine perfekte Zusammenfassung dessen, warum ich diese Region so liebe.

Kapitel 2 – Hokkaido: Winterstille und Sommerleuchten

Svenja Eisenacher: „Japan im Winter – echt jetzt?“ Was antwortest Du darauf?

Karen Wittel: „Unbedingt jetzt.“ Hokkaido ist der Ort, an dem der Winter noch ein echter Winter ist. Große Schneeflächen, die unter einem klaren Himmel glitzern. Onsen, in denen die Wärme in die Knochen zieht. Und Tiere – gerade die Kraniche von Kushiro –, die dem Landstrich besondere Anmut verleihen.

Svenja Eisenacher: Und wie sieht Hokkaido im Sommer aus?

Karen Wittel: Wie ein Geheimnis: mild, weit, farbig. Hinzu kommt, dass der Sommer auf Hokkaido ist einer der größten Japan Geheimtipps überhaupt ist. Während Honshu bei 35 Grad ächzt, liegst Du dort bei angenehmen 23 Grad an einem smaragdgrünen See oder wanderst durch Vulkanlandschaften, die aussehen wie auf einem anderen Planeten.

Svenja Eisenacher: Was macht Hokkaido so besonders?

Karen Wittel: Während im Winter die Schneestille, die Kraniche und die gefrorenen Seen faszinieren, beeindrucken im Sommer die gewaltigen Blumenfelder von Furano, die grünen Hochebenen des Daisetsuzan-Nationalparks und die Wanderwege, die wirken wie aus einem alten Naturdokumentarfilm. Darüber hinaus sind die Straßen leer – perfekt, um das Land mit dem Mietwagen zu entdecken

Svenja Eisenacher: Für wen eignet sich Hokkaido besonders?

Karen Wittel: Für Wintermenschen – klar.
Aber genauso für alle, die im Sommer Natur ohne Hitze suchen. Für Familien, die tierfreundliche Highlights wollen (Seeadler! Füchse!). Für Paare, die ein Sommerziel mit 23 Grad suchen. Und für alle, die einmal auf einer Vulkanlandschaft wandern wollen, die unter den Schuhen knistert.

Svenja Eisenacher: Welche Glanzlichter bleiben Dir besonders?

Karen Wittel:

Im Winter:

  • Der Moment, in dem die Kraniche im Schnee landen.
  • Schneelandschaften, die aussehen wie japanische Aquarelle.

Im Sommer:

  • Lavendelfelder, die Du riechst, bevor Du sie siehst.
  • Der smaragdgrüne Blue Pond von Biei.
  • Heiße Quellen, die in kühlen Sommernächten unter freiem Himmel dampfen.

Svenja Eisenacher: Und Deine unvergessliche Aktivität?

Karen Wittel:

  • Winter: Schneeschuhwandern + Onsen. Immer.
  • Sommer: Eine Wanderung im Daisetsuzan. Hochalpin, ruhig, weit. Und abends frische Meeresfrüchte in einem kleinen Hafenrestaurant – ein Traum.
Ein Berg im Winter mit einer Wetterstation auf dem Gipfel. Davor die Stadt Hokkaido mit roten Häusern.
Kapitel 3 – Oze & Yukiguni: Die Kunst der Langsamkeit

Svenja Eisenacher: Was hat Dich dort am meisten überrascht?

Karen Wittel: Die Tiefe. Yukiguni ist kein Ort, den man besucht – es ist ein Ort, den man spürt. Zudem formt der Schnee hier das Leben, die Häuser, die Küche, die Geschichten. Nichts ist geschliffen – alles ist echt.

Svenja Eisenacher: Wo findet man die intensivste Stille?

Karen Wittel: Im Oze-Nationalpark. Ein weitläufiges Hochmoor, im Frühling voller weißer Mizubashō-Blüten, im Herbst ein Farbenrausch. Auch im Sommer ist es so ruhig, dass man sogar die Libellen hört.

Svenja Eisenacher: Welche authentischen Erlebnisse empfiehlst Du?

Karen Wittel:

  • Eine Sake-Degustation in einer Brauerei, die Schnee als natürliche Kühlung nutzt.
  • Ein Aufenthalt in einem Ryokan, bei dem das Geräusch des Holzes schon ein Versprechen ist.
  • Ein Besuch im Echigo-Tsumari Art Field, wo die Landschaft selbst zur Kunst wird.

Svenja Eisenacher: Und wie würdest Du Yukiguni im Frühling und Herbst beschreiben?

Karen Wittel:

  • Frühling: Schmelzwasser, klare Luft, erste Blumen, ein Gefühl von Neubeginn.
  • Herbst: Leuchtende Wälder, stille Täler, Kunstwerke, die in diesem Licht besonders wirken.
Ein Holzenerweg führt durch einen Nationalpark mit gelben Blumen, grünen Wäldern und einem blauen See im Hintergrund.
Kapitel 3b – Yukiguni im Winter: Wo Schnee eine ganze Kultur formt

Svenja Eisenacher: Du hast Yukiguni schon als „Schneeland“ beschrieben. Wie ist es denn wirklich im Winter?

Karen Wittel: Ich sage es ehrlich: Der Winter dort ist unglaublich. Yukiguni besitzt eine echte Schneekultur. Es ist nicht das romantisierte Weihnachtskartenschneechen, sondern tief verschneite Landschaften mit drei, manchmal vier Metern Schnee. Dadurch entsteht eine besondere Wärme, die mich jedes Mal aufs Neue überrascht.

Svenja Eisenacher: Wärme – im Winter?

Karen Wittel: Ja, denn man rückt zusammen. In den traditionellen Häusern wird gekocht, gelacht, erzählt. Kaum etwas ist schöner, als nach einem Tag im Schnee ein Onsen aufzusuchen, in dem der Dampf in kalten Nächten aufsteigt wie ein kleines Wunder.

Svenja Eisenacher: Gibt es Wintersport?

Karen Wittel: Und wie!

  • Skifahren & Snowboarden in Naeba und Kagura: großartige Schneeverhältnisse, wenig überlaufen.
  • Schneeschuhwanderungen durch Wälder, die aussehen wie gemalt.
  • Backcountry mit lokalen Guides – ein echtes Abenteuer.
  • Und mein Favorit (falls das zählt): Onsenbaden unter Schneeflocken.

Svenja Eisenacher: Dein Winter-Glanzlicht?

Karen Wittel: Der Moment, wenn man barfuß in einen heißen Außenpool steigt und es gleichzeitig leise schneit. Pure Winterpoesie.

Kapitel 4 – Tsuruoka: Spiritualität, Berge & Küche – drei Zutaten für ein tiefes Japan-Reiseerlebnis

Svenja Eisenacher: Was bleibt Dir kulinarisch?

Karen Wittel: Die Shōjin-Ryōri der Yamabushi – buddhistische Tempelküche, die mit Achtsamkeit gekocht wird. Saisonal, reduziert. Und die fermentierte Küche der Region, die von Jahrhunderten Wissen erzählt.

Svenja Eisenacher: Was macht die Dewa-Sanzan-Berge so besonders?

Karen Wittel: Vor allem ihre Spiritualität: Die uralten Zedern am Berg Haguro gehören zu den eindrucksvollsten Landschaften, die ich je gesehen habe. Darüber hinaus erzählt jede der 2.446 Stufen Geschichten vergangener Zeiten.

Svenja Eisenacher: Deine Glanzlichter?

Karen Wittel:

  • Der fünfstöckige Pagodenwald im Morgenlicht.
  • Der Blick vom Berg Gassan über die Wolkendecke.
  • Kleine, traditionelle Gasthäuser, in denen man das Gefühl hat, in eine andere Zeit zu treten.

Svenja Eisenacher: Und Deine besondere Erinnerung?

Karen Wittel: Ein Gespräch mit einem jungen Mönch, während der Nebel durch die Bäume zog. Einer dieser Momente, die man behält.

Ein fünfstöckiges verschneites Holzgebäude umgeben von Tannen.
Kapitel 5 – Oita: Das unterschätzte Japan, Herz von Kyushu

Svenja Eisenacher: Was reizt Dich an Oita besonders?

Karen Wittel: Die extrem abwechslungsreiche Landschaft: Berge, Wälder, Küste und vor allem die heißen Quellen. Oita gilt als das Onsen-Herz Japans. Darüber hinaus vereint Region alle Elemente auf beeindruckende Weise: Feuer in Form aktiver Vulkane, Wasser in den heißen Quellen, Erde in den traditionellen Sandbädern und Luft im stetigen Küstenwind.

Svenja Eisenacher: Welche Erfahrung sollte jeder einmal machen?

Karen Wittel: Die Sandbäder von Beppu. Du wirst mit warmem, vulkanisch erhitztem Sand zugedeckt und hörst das Meer. Seltsam. Und wundervoll.

Svenja Eisenacher: Glanzlichter?

Karen Wittel:

  • Die hellen Farben der „Höllen“ von Beppu.
  • Nebel am Yufuin-See.
  • Kleine, versteckte Onsen, die nur Einheimische kennen.

Svenja Eisenacher: Unvergessliche Aktivität?

Karen Wittel: Ein Bad im Regen. Mein persönlicher Zen-Moment.

Dichter Nebel über dem türkisenen Yufuin- See.
Kapitel 6 – Japans Luxuszüge: rollende Boutiquehotels

Svenja Eisenacher: Was macht sie so besonders?

Karen Wittel: Die Eleganz. Das Design. Die Küche. Die Langsamkeit. Es ist eine Reiseform, die Dich wieder lernen lässt, aus dem Fenster zu schauen. Ich finde es komisch, dass hier in Deutschland so wenig über diese besonderen, rollenden Boutiquehotels gesprochen wird.

Svenja Eisenacher: Und welcher Luxus-Zug in Japan ist Dein Favorit?

Karen Wittel: Der „Seven Stars in Kyushu“. Er vereint warmes Holz, regionale Küche und Panoramafenster, die wie Kinoleinwände wirken.

Svenja Eisenacher: Wie früh sollte man buchen?

Karen Wittel: SEHR FRÜH!
Der wichtigste Satz für alle, die das hier lesen: Luxuszüge in Japan sind 6 Monate vorab ausgebucht. Beim „Seven Stars“ sogar 12 Monate.

Svenja Eisenacher: Dein schönster Moment an Bord eines japanischen Luxuszuges?

Karen Wittel: Tja, leider bin ich noch nicht in den Genuss gekommen. Es fällt mir schwer, so weit im Voraus zu planen. Doch in meiner Phantasie sehe ich meinen Mann und mich. Wir beide mit einem guten Glas Wein in der Loungebar, während draußen die Berge vorbeiziehen. Das wäre Reiseliteratur in Echtzeit.

Kapitel 7 – Also nochmal in Kurzform, was sollten wir in Japan einplanen?

Svenja Eisenacher: Welche Japan Geheimtipps sollten wir endlich entdecken?

Karen Wittel:

  • Hokkaido im Sommer – mild, weit, farbig.
  • Yukiguni im Winter – echte Schneekultur.
  • Tsuruoka – Spiritualität & Küche.
  • Oita – Onsen-Paradies.

Svenja Eisenacher: Und warum ist der Winter in Japan so besonders?

Karen Wittel: Weil die Wärme drinnen erst durch die Kälte draußen entsteht. Japan hat eine Winterkultur, die man spürt – nicht nur sieht.

Svenja Eisenacher: Was gibst Du Reisenden mit?

Karen Wittel: Neugier. Und warme Schuhe mit gutem Profil.

Japan Geheimtipps im Überblick
Hokkaido – Sommerleuchten & Winterstille
  • Entfernung: Tokio–Sapporo Flug ca. 1:40 h, es gibt aber auch eine gute Zugverbindung. Vor Ort empfiehlt sich ein Mietwagen
  • Ideal für: Naturliebhaber, Winterfans, Sommerfrischler
  • Winter-Highlights: Kraniche, Eislandschaften, Onsen
  • Sommer-Highlights: Lavendelfelder, Vulkanwanderungen, Blue Pond
  • Beste Zeit: Jan–März & Juli–Aug
Yukiguni – Japans authentischste Schneekultur, Frühling-Herbst wie aus einer Naturdokumentation
  • Entfernung: Tokio–Echigoyuzawa Shinkansen 70 min
  • Ideal für: Wintersport, Onsen, Kultur
  • Winter-Highlights: Skigebiete Naeba/Kagura, Schneeschuhwandern, Onsen
  • Frühling/Herbst: Oze-Moor mit Mizubashō-Blüte, bunte Wälder, Echigo-Tsumari Art Field
  • Beste Zeit: Dez–März & Mai–Okt
Tsuruoka – Spiritualität & Kulinarik
  • Entfernung: Tokio–Tsuruoka ca. 3,5–4 h (Zug + Bus)
  • Glanzlichter: Dewa-Sanzan-Pilgerweg, Tempelküche, Pagodenwald
  • Beste Zeit: Mai–Okt (im März/April beliebt wegen der Kirschblüten
Oita – Die Elemente auf Kyushu
  • Entfernung: Tokio–Oita Flug ca. 1:50 h, mit dem Zug ca. 7h. Von Kobe und Osaka gibt es Fähren (Dauer ca. 11h)
  • Highlights: Beppu-Höllen, Yufuin-See, Sandbäder, Küstenwege
  • Beste Zeit: Ganzjährig
Luxuszüge – Japans rollende Boutiquehotels
  • Planung: mind. 10 Monate vorher, Seven Stars 12–14 Monate
  • Highlights: Panoramafenster, Gourmetküche, elegantes Design
  • Beste Zeit: Ganzjährig

Bilder:

© depositphotos/JNTO/atambo tours

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