Karelische Piroggen bestehen aus dünnem Teig und Milchreisfüllung.

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Minna präsentiert den panierten Lachs für den Holzofen.

Köstliche Kulinarik in Karelien

Wenn ich an Nordkarelien denke, kommen mir zuerst die Düfte in den Sinn. Der Duft von frischem Brot, das gerade aus dem Ofen kommt. Das Aroma von Kräutern und Knoblauch aus der Küche. Der Geruch von Rauchholz in der Kota, während draußen die Abendsonne langsam hinter den Wäldern verschwindet. Und natürlich die Vorfreude auf ein gemeinsames Essen nach einem Tag voller Erlebnisse in der nordkarelischen Natur.

In diesem Sommer werde ich bereits zum zehnten Mal nach Pihlajapuu reisen, Minnas gemütliches Gästehaus in Nordkarelien. Zehn Reisen – und doch freue ich mich jedes Mal wie bei meinem ersten Besuch. Vielleicht liegt es daran, dass man hier nicht nur als Gast empfangen wird. Man fühlt sich willkommen, fast wie ein Familienmitglied. Nach wenigen Stunden stellt sich das Gefühl ein, angekommen zu sein.

Wer den ganzen Tag draußen unterwegs ist, entwickelt einen gesunden Appetit. Die frische Luft, die unzähligen Seen, die stillen Wälder und die langen Sommerabende machen hungrig. Nach Wanderungen, Kanutouren, Gesprächen mit anderen Reisenden oder einem entspannenden Saunagang schmeckt das Essen in Pihlajapuu besonders gut. Es ist diese Verbindung von Natur, Bewegung und Kulinarik, die jede Mahlzeit zu einem Erlebnis macht.

Ein Tisch voller warmer karelischer Speisen.
Auf einem Tisch steht aufgeschniittenes Brot mit einer Auswahl an Dips.

Dabei stand gutes Essen ursprünglich gar nicht im Mittelpunkt. Als Minna und ihre Freundin im Jahr 2000 die alte Dorfschule von Salmenkylä zu einem Gästehaus umbauten, dachten sie vor allem an schöne Gästezimmer, gemütliche Aufenthaltsräume und unvergessliche Urlaubserlebnisse. Das Kochen sollte eher eine Nebensache sein. Niemand ahnte damals, welchen Stellenwert die Küche später einmal bekommen würde.

Heute gehört sie zu den wichtigsten Bestandteilen des Pihlajapuu-Erlebnisses. Gekocht wird mit Leidenschaft, Kreativität und viel Herz. Dabei spielen Traditionen ebenso eine Rolle wie neue Ideen. Viele Rezepte stammen aus den Familien der Gastgeberinnen und wurden über Generationen weitergegeben. Andere Gerichte entstehen spontan, wenn saisonale Zutaten verfügbar sind oder die Natur besondere Schätze bereithält.

Die Küche in Pihlajapuu ist eng mit ihrer Umgebung verbunden. Viele Zutaten stammen direkt aus der Region. Kartoffeln und Rüben werden von Minnas Vater angebaut. Beeren, Pilze und Kräuter werden in den umliegenden Wäldern gesammelt. Honig liefern örtliche Imker, und der Fisch kommt oft aus den Seen der Umgebung. Im Sommer wachsen Johannisbeeren, Erdbeeren und Kräuter in den Gärten. Im Herbst füllen Preiselbeeren, Heidelbeeren und Vogelbeeren die Vorratskammern.

Besonders beeindruckend finde ich, wie selbstverständlich Nachhaltigkeit hier gelebt wird. Vieles wird selbst hergestellt, lange bevor dieser Trend in Mitteleuropa populär wurde. Marmeladen werden eingekocht, Säfte hergestellt, Kräutertees gesammelt und Brot gebacken. Nicht weil es modern ist, sondern weil es seit Generationen so gemacht wird.

Auf einen Tisch steht ein Teller voller Zimtschnecken.

Schon bei der Ankunft beginnt die kulinarische Reise. Nach einer langen Anfahrt erwartet die Gäste häufig eine traditionelle Lachssuppe. Dazu wird frisch gebackenes Brot serviert. Es ist ein einfaches Gericht, aber genau diese Einfachheit macht seinen Reiz aus. Die Zutaten sind hochwertig, die Zubereitung sorgfältig und der Geschmack authentisch.

Auch das Frühstück gehört für mich zu den Höhepunkten des Tages. Morgens stehen frische Brötchen, hausgemachtes Brot, verschiedene Aufstriche und ein köstlicher Porridge bereit. Besonders gerne verfeinere ich ihn mit Blaubeeren, Moltebeeren oder hausgemachtem Chutney aus Rhabarber und Äpfeln. Während man gemeinsam am Tisch sitzt und den Tag plant, entsteht eine entspannte Atmosphäre, die typisch für Pihlajapuu ist.

Was ich besonders schätze: Auf individuelle Wünsche wird jederzeit eingegangen. Vegetarische und vegane Gerichte werden selbstverständlich angeboten. Wer Unverträglichkeiten hat oder bestimmte Lebensmittel meiden möchte, findet immer eine passende Alternative. Die Gastgeberinnen verstehen Gastfreundschaft nicht als Pflicht, sondern als Herzensangelegenheit.

Mittags gibt es oft leichte Gerichte, die perfekt zu einem aktiven Urlaubstag passen. Finnische Pfannkuchen gehören zu meinen Favoriten. Ebenso die traditionellen karelischen Piroggen mit Eibutter. Viele Gäste probieren sie zum ersten Mal und sind überrascht, wie köstlich diese scheinbar einfachen Spezialitäten schmecken.

Zwischendurch stehen häufig selbst gebackene Haferkekse oder knuspriges Knäckebrot bereit. Dazu werden hausgemachte Säfte serviert. Besonders interessant finde ich die Getränke aus Johannisbeerblättern oder Vogelbeeren, die man außerhalb Finnlands kaum kennt.

Am Abend entfaltet die karelische Küche ihre ganze Vielfalt. Dann erwartet die Gäste oft ein reichhaltiges Buffet mit regionalen Spezialitäten. Linsensuppe, Kartoffeln mit Pfifferlingssauce, Elchgulasch, Rentiergeschnetzeltes, Rote-Bete-Auflauf, Gemüsetorten, Blumenkohlsalat, gebratene Maränen und frische Blattsalate sind nur einige Beispiele.

Dabei geht es nicht darum, möglichst exotisch zu sein. Die Gerichte spiegeln vielmehr die Geschichte und die Lebensweise der Region wider. Die Menschen in Nordkarelien haben seit jeher gelernt, das zu nutzen, was ihnen die Natur schenkt. Aus einfachen Zutaten entstehen Gerichte voller Geschmack und Charakter.

In mitten eines Essenssaals steht ein Buffet mit selbstgemachten karelischen Spezialitäten.

Besonders beeindruckt mich immer wieder die Atmosphäre während der gemeinsamen Mahlzeiten. Gäste aus verschiedenen Ländern sitzen an einem Tisch, erzählen von ihren Erlebnissen und tauschen Geschichten aus. Oft entstehen Gespräche, die weit über den Urlaub hinaus in Erinnerung bleiben. Essen verbindet Menschen – und in Pihlajapuu spürt man das jeden Tag.

Der kulinarische Höhepunkt vieler Reisen ist jedoch der letzte Abend. Nach einem ausgedehnten Saunagang versammeln sich alle in der Kota, der traditionellen finnischen Grillhütte. Das Feuer knistert, und langsam erfüllt der Duft von Rauch und Fisch die Luft.

Dort bereitet Minna ihren berühmten Flammlachs zu. Die Lachsseiten werden mit selbst geschnitzten Holznägeln auf Holzbrettern befestigt und anschließend am offenen Feuer gegart. Die Zubereitung folgt einer alten finnischen Tradition und wird von vielen Gästen mit großer Begeisterung verfolgt.

Während draußen die nordkarelische Sommernacht langsam beginnt, sitzt man gemeinsam am Feuer, genießt das Essen und lässt die vergangenen Tage Revue passieren. Es sind Momente wie diese, die man nicht planen kann. Sie entstehen aus der besonderen Atmosphäre, den Menschen und der Herzlichkeit des Ortes.

Vielleicht ist genau das das Geheimnis von Pihlajapuu. Es geht nicht nur um gutes Essen. Es geht um Gemeinschaft, Gastfreundschaft und die Freude daran, besondere Momente miteinander zu teilen. Die Mahlzeiten erzählen Geschichten von Nordkarelien, von Traditionen, von der Natur und von den Menschen, die hier leben.

Wenn ich nach Hause zurückkehre, nehme ich nicht nur Erinnerungen an wunderschöne Landschaften mit. Ich erinnere mich an den Duft von frischem Brot, an die Wärme der Rauchsauna, an lange Gespräche am Abend und an den Geschmack des Flammlachses am letzten Reisetag.

Und genau deshalb freue ich mich schon heute auf meinen nächsten Besuch in Pihlajapuu.

Herkullista – einfach köstlich.

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