Neun Inseln mitten im Atlantik – eine Azoren-Reisegeschichte
Eindrucksvolle Natur, abwechslungsreiche Landschaften und vielfältige Aktivitäten
Ina Fick ist Reisegestalterin und -beraterin für die Azoren bei REISEN MIT SINNEN. Nicht nur beruflich schlägt ihr Herz für den abwechslungsreichen Atlantik-Archipel. Kürzlich bereiste sie gemeinsam mit ihrem Partner im Osten die Hauptinsel São Miguel und die benachbarte Sonneninsel Santa Maria sowie im zentralen Teil des Archipels Faial und Pico. Per Mietwagen konnten sie flexibel sowohl die Highlights als auch weniger bekannte Orte entdecken und an den zahlreichen Aussichtspunkten jederzeit spontan anhalten. Sie kehrte mit vielen neuen Eindrücken zurück:
Nach unserer Ankunft auf São Miguel schwangen wir uns zunächst auf E-Bikes, um das berühmte Postkartenmotiv der Insel, den Zwillingssee „Sete Cidades“, zu entdecken. Die geführte Tour bot uns zwei Perspektiven: Zunächst ging es entlang der Kraterränder mit Blick auf den grünen und den blauen See, anschließend hinunter direkt ans Wasser. Auch für Einsteiger ist die Tour gut geeignet – wir saßen zum ersten Mal auf E-Bikes und hatten großen Spaß.
Der idyllische See Lagoa do Fogo ist im Sommer für Autos gesperrt, stattdessen bringt ein Shuttlebus Besuchende per Hop-on/Hop-off-System zu verschiedenen Stopps bis zum Aussichtspunkt über dem See. So konnten wir uns ganz entspannt durch das Hochland fahren lassen und dabei tolle Fotos machen.
Der Lagoa das Furnas war unser drittes Seen-Highlight. Der See lässt sich gut von einem Aussichtspunkt überblicken und auch zu Fuß umrunden. Der Ort Furnas ist bekannt für seine heißen Quellen, die sogenannten Caldeiras, in denen der traditionelle Eintopf Cozido im heißen Boden gegart wird – überall steigt Dampf auf, und der Schwefelgeruch liegt in der Luft. Cozido besteht klassisch aus viel Gemüse und verschiedenen Fleischsorten – wir probierten eine vegane Variante, die sehr gut schmeckte.
Auch die Altstadt von Ponta Delgada, die Strände der Nord- und Südküste sowie die ehemalige Hauptstadt Vila Franca do Campo mit ihren berühmten, leckeren Eiercreme-Küchlein, den Queijadas, standen auf unserem Programm.
Auf unserer nächsten Insel Faial führte unser erster Weg zur Marina von Horta, wo sich Atlantik-Segelnde aus der ganzen Welt tummeln und im Peter Café Sport (bekannt für seinen guten Gin) einkehren. Viele haben sich auf den Kai-Mauern künstlerisch verewigt. Die Inselhauptstadt Horta war im 19. und 20. Jahrhundert ein zentraler Knotenpunkt für transatlantische Unterseekabel und Telegraphie. Dadurch konnten Nachrichten zwischen Europa, Nordamerika und Afrika in Stunden statt erst nach Wochen übertragen werden. Im Stadtmuseum finden sich dazu spannende Exponate. Generell lohnen sich Museumsbesuche auf den Azoren sehr: Die Häuser sind klein, übersichtlich und thematisch fokussiert, sodass man in kurzer Zeit viel mitnimmt – kurze Regenphasen lassen sich so ideal nutzen.
Fußläufig von der Marina sind der schöne Strand Porto Pim und der Hausberg Monte da Guia zu erreichen. Man braucht nicht mal bis ganz nach oben laufen, um einen traumhaften Blick über Horta zu genießen – besonders zum Sonnenuntergang entstehen hier perfekte Fotomotive.
Die Caldeira do Faial ohne Wolken zu sehen, ist etwas Glückssache – mein Tipp, um dem Glück etwas auf die Sprünge zu helfen: Per App lässt sich die Sicht gut vorab prüfen. Oft lockert die Bewölkung auch spontan auf. Eine Umrundung des Kraterrands lohnt sich besonders, da sich ständig neue Perspektiven eröffnen.
Capelinhos ist mein persönlicher Favorit auf den Azoren. Die Vorstellung, dass 1957/58 ein Vulkanausbruch unter Wasser der Insel ein neues Stück Land hinzugefügt hat, fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Die Landschaft wirkt hier fast unwirklich – karg, aschgrau und völlig anders als der grüne Rest der Insel. Das Museum im alten Leuchtturm zeigt eindrucksvoll, was damals geschah, und erklärt anschaulich die Entstehung der Azoreninseln.
Von Faial setzten wir per Fähre nach Pico über. Diese fahren mehrmals täglich und die Überfahrt dauert nur etwa 30 Minuten. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte dennoch an Mittel gegen Reiseübelkeit denken – auf dem Atlantik kann es auch bei kurzen Strecken ordentlich schaukeln.
Pico ist die Insel der Wale und des Weines. Unser lokaler Partner vor Ort gehörte zu den ersten, die nach dem Verbot des Walfangs neue Wege einschlugen und das Whale Watching als nachhaltige Alternative entwickelten – mit Fokus auf Tierwohl und wissenschaftlicher Begleitung. Mehrmals täglich wird von Ausgucken geprüft, ob sich Wale in der Nähe befinden, bevor es hinaus aufs Meer geht. Neben Walen haben wir auch Delfine und sogar Meeresschildkröten beobachten können. Direkt neben der Beobachtungsbasis befindet sich das Museu dos Baleeiros, das die Geschichte des Walfangs dokumentiert und den Wandel hin zum heutigen Schutz der Tiere veranschaulicht.
Ein Teil der Insel ist von Weinreben geprägt, die – anders als vielerorts üblich – dicht am Boden wachsen. Die Felder sind durch Lavasteinmauern voneinander getrennt und eignen sich für gute Spaziergänge. Ich empfehle, von Madalena bis nach Candelária zur Adega Vitivinícola Lucas Lopes Amaral zu wandern und dort für eine Weinprobe beim jüngsten Winzer der Azoren einzukehren.
Im Hochland Picos herrscht eine ganz eigene Atmosphäre: Langsam durch Nebelschwaden zu fahren, kleine Seen zu entdecken und dabei kaum Menschen, dafür umso mehr Kühen zu begegnen, wirkt überraschend entschleunigend und beruhigend.
Das Ende unserer Rundreise führte uns nach Santa Maria. Die “Sonneninsel“ zeichnet sich durch wärmeres und trockeneres Klima sowie schöne Sandstrände aus. Als ältestes Eiland der Azoren bietet es zudem zahlreiche Fossilienfundstellen, da sich dort neben vulkanischem Gestein auch marine Sedimente bildeten. Diese Besonderheiten werden im Museu de Santa Maria in Vila do Porto veranschaulicht.
Auf Santa Maria haben wir es insgesamt entspannt angehen lassen: ein Bummel durch die kleinen Läden im Hauptort Vila do Porto, ein Spaziergang zum alten Fort, von dem sich der Hafen überblicken lässt, Fahrten an die Strände Praia de São Lourenço und Praia Formosa sowie zum Leuchtturm Gonçalo Velho Lighthouse – die Sicht ist spektakulär! Gewandert sind wir um den Pico Alto, eine abwechslungsreiche Tour mit tollen Blicken über die Insel. Ein weiteres Highlight ist das Landschaftsschutzgebiet Barreiro da Faneca, das Betreten der roten Erde wirkt fast surreal.
Der beständige Blick auf Meer und Berge ist das, was die Inseln für uns besonders macht – beides ist immer gleichzeitig präsent.
Die wechselhaften Wetterbedingungen gehören dazu und verleihen der Landschaft ihren eigenen Reiz. Wenn es regnet, laden Museen und Kulinarik zu entspannten Alternativen ein. Mein Partner und ich reisen gerne außerhalb der Hauptsaison, da für uns die Vorteile deutlich überwiegen: keine Warteschlangen, weniger Trubel und ein intensiveres Naturerlebnis.
Jede Azoren-Insel hat ihren eigenen Charakter und doch entsteht im Zusammenspiel ein stimmiges Gesamtbild aus Vulkanlandschaften, grünen Kratern, weiten Atlantikblicken und kleinen, authentischen Orten. Gerade diese Mischung aus Aktivität und Entschleunigung machte die Reise so besonders. Am Ende zeigt sich für mich vor allem, dass es nicht die einzelnen Höhepunkte sind, die mir in Erinnerung bleiben, sondern das harmonische Miteinander der Eindrücke, das den Azoren ihren besonderen Charakter verleiht.
© Bilder: Ina Fick, Wolfgang Fricke (Bild 2)
© Text: Ina Fick


