Unterwegs mit Hélène: Nachhaltige E-Bike-Reisen für Frauen in Frankreich
Allein unter gleichgesinnten Frauen unterwegs sein, die Landschaft bewusst erleben und dabei das entspannte Fahren auf dem E-Bike genießen – genau das macht die Fahrradreisen von WomenFairTravel durch Frankreich so besonders. Zwischen Dünen, Pinienwäldern und endlosen Sandstränden gestalten wir die Etappen in unserem eigenen Tempo, nehmen uns Zeit für Pausen, Austausch und inspirierende Frauenbegegnungen.
Hélène Laval sorgt als deutsch-französische Reiseleiterin dafür, dass unsere Radreisen mehr sind als ein Urlaub. Sie bieten Raum, Freundschaften zu knüpfen, Geschichten auszutauschen und gemeinsame Momente der Ruhe zu erleben. Vorbei an rauen Küsten, durch kleine Hafenorte und verträumte Fischerdörfer zeigt uns Hélène auf unserer Tour entlang der Atlantikküste dabei nicht nur die Schönheit der Natur, sondern erzählt gleichzeitig von den Frauen, die diese Küstenregion prägen.
Schon früh am Morgen liegt der Duft von Salz, Pinien und frisch gebackenen Baguettes in der Luft. Bunte Fischerboote schaukeln sanft auf dem Wasser, während die ersten Sonnenstrahlen über die Hafenmauern von La Rochelle steigen. Der historische Küstenort ist Ausgangspunkt unserer Reise und erster Treffpunkt von sechs Frauen, die gemeinsam eine Woche lang Frankreichs Atlantikküste per E-Bike erkunden wollen. Beim ersten Café au Lait wird klar: Die Chemie stimmt. Es wird gelacht, erzählt, ausprobiert, die ersten Strecken werden besprochen, die Räder eingestellt. Noch bevor die Reise richtig begonnen hat, entsteht ein Gefühl von Vertrautheit, das die kommenden Tage prägen wird.
Entschleunigung auf zwei Rädern
„Die schnell wachsende Gemeinschaft ist das Besondere an Fahrradreisen“, sagt Hélène. „Ganz unterschiedliche Frauen kommen zusammen, verbunden durch die Freude an Natur, Frankreich und Bewegung an der frischen Luft.“ Dank E-Bikes sind auch längere Etappen leicht zu bewältigen, die Strecken moderat, und auch abgelegenere Küstenabschnitte gut erreichbar – das macht die Reisen niedrigschwellig, ohne ihren aktiven Charakter zu verlieren. So entsteht ein nachhaltiges Reiseformat, das gemeinschaftliche Aktivität und Genuss perfekt verbindet, findet Hélène.
Die gebürtige Pariserin hat die Verbindung von Bewegung, Landschaft und Begegnung zu ihrem Beruf gemacht und führt als ausgebildete Rad- und Stadtführerin seit über zehn Jahren durch ihre Heimat. Aufgewachsen in Frankreich, geprägt von zwei Sprachen und Kulturen, entwickelte sie durch ihre deutsche Mutter schon früh eine enge Verbindung zu Deutschland und spricht heute beide Sprachen fließend. Ihre Leidenschaft fürs Radreisen entdeckte sie bereits in jungen Jahren und arbeitete während ihres Studiums als Radguide in Paris – eine prägende Erfahrung, die ihren weiteren Weg bestimmte. „Damals habe ich gemerkt, wie sehr ich es liebe, Menschen draußen zu begleiten und Orte über Geschichten erlebbar zu machen“, erzählt sie.
Es folgten Ausbildungen, eine offizielle Lizenz als Stadt- und Radreiseleiterin sowie über zehn Jahre Erfahrung in der Begleitung internationaler Gruppen durch Paris und das Umland. Für Hélène ist das Fahrrad dabei weit mehr als ein Fortbewegungsmittel. „Wir bewegen uns langsam durch die Landschaft, erleben Orte unmittelbarer und kommen automatisch miteinander ins Gespräch“, sagt sie. Gerade Frauenreisen entwickeln dabei oft eine besondere Dynamik. Viele Teilnehmerinnen reisen allein an und erleben schnell, wie leicht Gemeinschaft unterwegs entstehen kann. Gleichzeitig wächst das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – sei es bei längeren Strecken, kleinen technischen Problemen oder einfach darin, sich draußen selbstständig zu bewegen.
Fahrradreiseziel Nummer 1 in Europa
Die Begeisterung für das Rad teilt Hélène mit vielen ihrer Landsleute. In Frankreich trägt es nicht umsonst den poetischen Namen La Petite Reine – die kleine Königin. Das Radfahren gehört hier längst zur Kultur: im Alltag, als Freizeitbeschäftigung und zunehmend auch als nachhaltige Art des Reisens. „Anders als bei klassischen Gruppenreisen stehen beim Radfahren in unseren kleinen Frauengruppen der Austausch und das bewusste Erleben der Umgebung im Mittelpunkt. Der Weg ist das Ziel – treffender kann ich das Reisen mit dem Rad nicht beschreiben“, sagt sie schmunzelnd. Besonders die Atlantikküste bietet ideale Bedingungen für einen entspannten Radelurlaub. Unsere Route führt vorbei an weitläufigen Salzwiesen, Dünenlandschaften und endlosen Stränden. Inseln wie die Île de Ré oder die Île d’Oléron wechseln sich mit stillen Naturabschnitten und lebendigen Küstenorten ab.
Viele Strecken sind flach, gut ausgebaut und autofrei – ideale Voraussetzungen für entspannte Tagesetappen. Kein Wunder, dass Frankreich seit Jahren zu den beliebtesten Radreisezielen Europas zählt. „Keine Route gleicht der anderen, jeder Tag bringt neue Eindrücke“, erzählt Hélène. Mal fahren wir gemeinsam, mal zieht eine ein Stück voraus. Gerade dieses flexible Unterwegssein macht den besonderen Charakter der Reise aus: individuell und gemeinschaftlich zugleich. Der Fokus liegt nicht auf Geschwindigkeit oder möglichst vielen Kilometern, sondern auf dem bewussten Erleben der Umgebung.
Frauen, Orte, Begegnungen
Auch bei der Entwicklung neuer Touren spielt der Austausch mit den Menschen vor Ort für Hélène eine zentrale Rolle. Viele Reiseideen entstehen direkt unterwegs – in Gesprächen mit Gastgeberinnen, in kleinen, familiär geführten Unterkünften oder bei Begegnungen entlang der Küste. Dabei treffen wir immer wieder auf Frauen, die uns Einblicke in ihr Leben geben: Austernfischerinnen, Künstlerinnen, Gastronominnen oder Salzbäuerinnen, die ihre Region mit viel Engagement und Persönlichkeit prägen. Diese Begegnungen erzählen vom Alltag an der Atlantikküste, vom Leben und von der Geschichte der Orte – und zeichnen gemeinsam ein vielschichtiges Bild dieser Landschaft und ihrer Menschen. „Das ist echte Teamarbeit“, sagt Hélène. „Und oft sind es genau diese Begegnungen, die die schönsten Strecken und Stopps hervorbringen.“ Zwischen Wind, Wellen und weitem Himmel bleibt den Frauen am Ende vor allem eines in Erinnerung: die gemeinsame Zeit unterwegs. Gespräche auf langen Küstenwegen, stille Momente am Wasser oder das Ankommen nach einem Tag auf dem Rad. „Jede Reise ist anders“, fasst es Hélène zusammen. „Was bleibt, sind die Begegnungen.“
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