Der Traum vom Wassersparen

Seit einiger Zeit treibe ich mich nun schon in Nepal herum und auch wenn ich mich an das kalte Klima gewöhnt habe, vermisse ich doch ein bisschen die Wärme, die ich in anderen Ländern meiner Weltreise kennenlernte. In der Hütte von Tshering, einem Lodge-Besitzer, habe ich es mir heute neben dem Ofen bequem gemacht, um mal wieder aufzutauen. Erschöpft von meiner Tour durch das Helambu Trekkinggebiet schlafe ich ein und träume von der Hitze Afrikas:

… Die Sonne bringt das Meer zum Glitzern und die seichten Wellen spülen mich an einen weißen, endlos scheinenden Sandstrand. Vor und zurück schaukele ich mit anderen Wassertropfen vor der kargen Küstenlandschaft der Insel Maio. „Ein seltener Gast auf den Kapverden – ein Süßwassertropfen“, empfängt mich Kai Pardon von Reisen mit Sinnen freudig, denn ich bin hier tatsächlich eine Rarität. Der afrikanische Inselstaat, westlich des Senegal gelegen, wird vom Nordostpassat beherrscht, der trockene, warme Saharaluft vom Festland auf die Kapverden weht. „Eigentlich regnet es nie – lediglich zwischen August und Oktober fallen die wenigen Wassertropfen, die das ganze Jahr über zusammen 260 mm messen.“

Um die Einwohner und Besucher mit ausreichend Trink- und Nutzwasser zu versorgen, wird das Meerwasser in Entsalzungsanlagen aufbereitet. „Dieser Prozess ist kostspielig, denn es wird unglaublich viel Energie benötigt – und auch diese gibt es hier nicht gerade im Überfluss“, erläutert Kai weiter. Strom wird mittels Diesel- und Benzingeneratoren erzeugt, die Tarife liegen trotz einem sehr viel geringeren Lohnniveau höher als der europäische Durchschnitt.

Vor zwei Jahren hat Reisen mit Sinnen deshalb begonnen, Privatunterkünfte, Pensionen und Hotels in Bezug auf Wasser-/Energiesparmaßnahmen zu beraten. „Unser Ziel ist es, die Hoteliers und auch die Gäste für das Thema Wasser und dessen Knappheit zu sensibilisieren.“

Ein eigens produzierter Aufkleber mit dem Motto „Think Green“ soll Gäste motivieren, den Wasserhahn nur so lange laufen zu lassen, wie es wirklich nötig ist. „Außerdem stellen wir den Betrieben auf Wunsch einen Low-Flow Duschkopf zur Verfügung, damit sie selber testen können, wie viel Wasser und damit Energie – also bares Geld – sie einsparen.“ Reisen mit Sinnen arbeitet mit 70 Unterkünften auf neun Inseln zusammen, von denen seit Projektbeginn 50 Prozent eine der vermittelten Maßnahmen umsetzen. Grinsend und auch stolz berichtet Kai weiter von der Zusammenarbeit mit den kapverdischen Hoteliers: „Zwei Bungalow-Anlagen auf der Insel Santo Antão trennen seit Kurzem ihr Brauchwasser, das bedeutet, Grauwasser wird nach einem einfachen Reinigungsverfahren zur Bewässerung des Gartens und der Gemüsebeete verwendet.“

Mittlerweile gibt es so viele Beispiele der ökologischen Nachhaltigkeit, dass Reisen mit Sinnen beschloss, einen Blog zum Thema aufzusetzen. Auf Fair Vision sollen schon bald Best-Practice-Beispiele der Kapverden, der Azoren, Südafrikas und Vietnam/Myanmar abgebildet werden. „Wir werden (auf Englisch) Erfahrungen teilen und von Erfolgsgeschichten berichten. Mittels Artikeln zu Themen wie Wasserschutz oder Recycling möchten wir die Sensibilisierung der Hoteliers in den vier Destinationen weiter fortführen und für Austausch untereinander sorgen.“

Kai stehen die Schweißperlen auf der Stirn – es ist sehr warm, keine Wolke am Himmel zu sehen. Er freut sich immer noch über meinen Anblick, der seltene Süßwassertropfen auf den Kapverden. „Fast könnte man meinen, du seist nur ein Traum!“ …

Auch mir wird langsam warm von so viel afrikanischer Sonne – oder ist es doch der Ofen von Tshering, neben den ich mich gekuschelt hatte? Langsam werde ich wieder wach und blicke in die Augen meines nepalesischen Gastgebers. „Das war eine traumhafte Reise auf die Kapverden!“

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