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Flammlachs-auf-kulinarischer-Finnland-Reise

ÄKSYT ÄMMÄT: KULINARISCH VON GASTHAUS ZU GASTHAUS

Reisebericht über meine Reise im August 2020 nach Nordkarelien

Nachdem ich letztes Jahr nicht in Finnland war, entschied ich mich im Dezember 2019 wieder eine Reise nach Nordkarelien zu buchen. Ich hab mich nach Finnland gesehnt! Dieses Mal entschied ich mich für die Reise: Kulinarisch von Gasthaus zu Gasthaus.
Da sollte man auch das Backen von Brot und Gebäck lernen. Obwohl ich zuhause eigentlich nicht backe, fand ich es interessant und schließlich ist man nie zu alt, etwas neues zu lernen.

Dann kam die Corona – Virus Krise und alle Reisepläne rückten in weite Ferne. Ich entschied, darauf zu warten bis die Reise abgesagt wird. Das ist nicht passiert und so bin ich mit Glück drei Tage vor den Einreisebeschränkungen der finnischen Regierung für Deutsche am 22. August (Samstag) nach Finnland geflogen. Außer mir hatten alle anderen Leute der kleinen Reisegruppe abgesagt!

Zuerst kam ich im Gasthaus Puukarin Pysäkki an und sollte bei Anni das backen von Roggenbrot, finnisch Ruisleipä lernen.

Zum Abendessen gab es erst Brot mit Butter und verschiedenen Aufschnitt darunter auch ein leckerer gefüllter Kalbsbraten, dann gab es Leber vom Bio-Rind mit schmackhaft angebratenen Zwiebeln, dazu Salat-Variationen und Kartoffeln aus eigener Ernte. Ich hab schon ewig keine Leber mehr gegessen, aber die war lecker.

Nach dem Abendessen zeigte mir Anni wie sie den Vorteig für das Ruisleipä auf althergebrachte Art macht. Rezept konnte sie mir keines geben da sie es „pi mal Daumen“ also nach Gefühl macht. Sie hat ja auch genug Erfahrung damit. Der Vorteig musste dann über Nacht ruhen.

Ich weiß, ich gebrauche das Wort „lecker“
ziemlich oft, aber so ist es nun mal.

Nach dem leckeren (wie immer) und reichlichen Frühstück, natürlich mit Puuro (Hefebrei) gingen wir am Sonntag daran den Teig fertig zu machen. Es wurde Roggen Mehl zum Vorteig dazu gegeben, der in einem großen Holzbottich war und ich musste dann den Teig eine halbe Stunde unter immer weiterer Zugabe von Roggenmehl rühren. Je dicker der Teig wurde desto anstrengender wurde es! Ich war froh als Anni sagte, das der Teig die richtige Konsistenz hat. Der Teig musste etwas ruhen und in der Zeit  hab ich mit Anni’s Hund Stöckchen werfen gespielt. Er konnte nicht genug davon kriegen!

Dann hat sie mir gezeigt wie man den Teig zum Brot  formt. Ich muss zugeben das mir das nicht so gut von der Hand ging. Ich hab ein paar Brote geformt aber sie sahen ziemlich rissig aus, im  Gegensatz zu Anni’s. Da sie die Brote zum Teil verkaufen wollte, hat sie die meisten Brote lieber selber geformt. Dann kamen sie in vorgeheizten Ofen und außerdem eine kleine Auflaufform. Darin waren unten rohe Muikku (kleine Maräne) und oben drauf der Brotteig. Das blieb einige Stunden im Ofen und wir hatten es am nächsten Tag zum Mittagessen. Sehr lecker! Ich mag Muikku.

Dann kam Minna, und wir waren beide sehr froh üns wieder zu sehen! Anni’s Eltern haben uns eingeladen mit zur Maakirkko (Landkirche) zu fahren. Also haben wir im Freien unter einem Holzdach zusammen mit den ca. 30 Finnen, finnische Kirchenlieder (mit Gesangbuch) gesungen. Das hat Spaß gemacht, auch wenn ich nicht christlich bin. Der Pfarrer hat auch gesprochen. Danach gab es zu trinken sowie Pulla Gebäck und Kekse.

Am Montag machten wir eine Fahrradtour zum  nächsten Gasthaus, Laitalan Lomat. Leider war das Wetter nicht so schön und wir sind etwas nass geworden. Unterwegs haben wir an einem schönen See mit neu gebauter Brücke und frisch hellblau gestrichenen Häuschen gehalten und waren schwimmen. Zum Glück hat mittlerweile die Sonne geschienen. Es war ziemlich erfrischend bei geschätzten 16 – 17 Grad Wassertemperatur.

Als wir in Laitalan Lomat ankamen, hat uns Henna erst einmal Eierkuchen (wir Ossis nennen es Plinsen) mit Moltebeeren Marmelade serviert. Danach bekam ich eine Schürze und ab ging es in die Küche. Dort machten wir nach Henna’s Rezept (das hab ich bekommen) Pulla Teig gemacht. Er musste etwas ruhen und so sind wir in den Garten gegangen um schwarze Johannisbeerblätter zu sammeln. Die kommen in einen Topf und werden dann mit kochendem Wasser, Zitronensäure und Zucker ein Getränk. Dafür muss es über Nacht mit Deckel stehen gelassen werden.

Dann haben wir aus dem Teig, Korvapuusti gemacht. Dazu haben wir den Teig portionsweise ausgerollt und mit Butter, Zucker und Zimt bestreut. Er wurde gerollt und in trapezförmige Stücke geschnitten sowie mit dem Finger auf der schmalen Seite etwas platt gedrückt. Das haben wir mit dem ganzen Teig gemacht und die Korvapuusti auf Backbleche gelegt. Dann wurden alle mit gequirltem Ei bestrichen und mit Hagelzucker bestreut. Nach dem Backen hab ich gleich probiert und sie schmeckten super lecker! Ich weiß, ich gebrauche das Wort „Lecker“ ziemlich oft, aber so ist es nun mal.

Danach ging es hinunter zur Sauna an den Fluss Karhujoki. Herrlich wenn ich aus der Sauna raus gehen und nackt (ich war ja alleine) im Fluss abkühlen bzw. schwimmen kann!

Finnländisches Frühstück mit verschiedenen Spezialitäten
Kochen und backen Sie mit natürlichen Zutaten Spezialitäten aus Finnland

Am Dienstag sind wir (Minna und ich) mit dem Auto zum Tiilikkajärvi Nationalpark gefahren. Dort haben wir eine 12 km Wanderung, oft über Stege gemacht. Wir waren sogar im See schwimmen, obwohl ein kalter Wind wehte. Die Finnen am Grillplatz haben uns dafür bewundert (oder uns für verrückt gehalten). Nach der Wanderung hatten wir von Stegen die Nase voll.

Am Mittwoch sind wir mit dem Auto nach Lieksa gefahren und haben dort zuerst das Pielinen Museum angesehen. Das ist das zweitgrößte Freilichtmuseum in Finnland. Es besteht aus vielen alten karelischen Holzhäusern die dahin gebracht und wieder aufgebaut wurden. Es wird von der Geschichte der Menschen zwischen dem Pielinensee und Russisch Karelien erzählt. Eine Frau machte extra für uns eine Führung in Englisch. Mir hat es sehr gut gefallen.

Dann fuhren wir nach Paateri, dem Grundstück auf dem die Bildhauerin Eva Ryynänen mit ihrem Mann gewohnt hat und das heute nach ihrem Tod ihre Arbeiten in Holz, im Wohnhaus (eine Etage), dem Atelier und in der zusammen mit der Stadt Lieksa gebauten Kirche zeigt.
Sie hat wunderschöne Skulpturen geschaffen.

Danach ging es zurück nach Nurmes in ein kleines Industriegebiet, wo Ritva’s Bäckerei liegt. Ritva ist die Besitzerin des Gasthauses Männikkölän Pirtti. Bei ihr lernte ich wie man Karjalanpiirakka also karelische Piroggen bäckt.
Der Teig aus Roggen- und Weizenmehl war schon fertig, also haben wir ihn mit dem speziellen balligen Nudelholz dünn ausgerollt.
Dann kam darauf etwas von dem dicken Milchreis und die Seiten wurden so umgeplappt das noch etwas Milchreis zu sehen ist. Dann kam mein Problem mit dem zusammenraffen des Randes. Das gelingt mir nicht so gut! Dann wurden sie gebacken, was im Profi Herd sehr schnell geht. Noch mit flüssiger Butter eingestrichen und fertig waren sie. Minna ist schon zum Gasthaus gefahren und ich bin dann mit Ritva (und den Piroggen) auch hingefahren. Dort angekommen bin ich mit Minna noch das kleine Stück zum Pielinensee gefahren um dort zu schwimmen. Danach gab es zum Abendessen neben anderem, natürlich meine Piroggen. Sie waren sehr lecker mit Eibutter!

Am Donnerstag sind mit dem Auto zum Koli Nationalpark gefahren. Ich war dort zum dritten Mal. Es ist immer wieder ein Erlebnis dort zu wandern und die tolle Aussicht zu genießen!
Nach der Wanderung zur Aussicht Mäkrä, vorbei am Paha – Koli, Akko – Koli zum höchsten Berg Ukko – Koli waren wir im Besucherzentrum Ukko.
Da hab ich natürlich auch ein paar Mitbringsel im Laden gekauft. Von dort sind wir zum Auto gegangen und weiter zum Hafen gefahren. Da waren wir schwimmen, was sonst.

Am Freitag haben wir nach dem Frühstück, eine Radtour zu Minna’s Gasthaus Pihlajapuu gemacht. Sie war zwar relativ kurz dafür aber ganz schön bergig. Nach der im Bau befindlichen Brücke mit Ampelregelung haben wir eine Pause am See Karsikkoselkä gemacht. Wir haben uns auf den Steg gesetzt und hätten noch länger dort in der Sonne sitzen bleiben können, aber Minna hatte noch viel zu tun. Also ging es weiter zum Gasthaus.

Kurz nach der Ankunft bin ich und Frau D. aus Deutschland, die ein Jahr in Pihlajapuu wohnt, rausgegangen um schwarze Johannisbeerblätter und Beeren sowie Vogelbeerblätter und Frauenmantel zu sammeln. Ich muss zugeben, ich wusste nicht wie Frauenmantel aussieht.

Die Blätter hab ich unter Minna’s Anleitung zu einem Getränk verarbeitet (wie vorher schon beschrieben) und aus den Beeren wurde eine leckere Marmelade (Konfitüre). Aus dem Frauenmantel hab ich unter Zugabe von Sonnenblumenkernen und Öl ein Pesto gemacht. Das haben wir mit Kartoffeln (fürs Abendessen) vermischt. Ich habe auch eine weiße dicke Soße fürs Abendessen gemacht.

Am frühen Abend, nachdem Minna schon mit dem Auto auf die andere Seite des Sees Viemenenjärvi gefahren ist, haben Frau D. und ich die Paddel, Schwimmwesten und wasserdichten Säcke genommen, sind in Gummistiefeln zum See gegangen und über den See gepaddelt. Drüben angekommen sind wir zu Rauchsauna (Savusauna) und Grillhütte gelaufen, wo Minna schon mit dem Lachs beschäftigt war. Die zwei Lachsfilets wurden auf Holzbretter genagelt und in der Hütte am Feuer gegart. Ich bin als erster in die Rauchsauna gegangen und danach zur Abkühlung in den angestauten Bach gleich dahinter. Brrrrr, der war eiskalt!

Nach dem dritten Mal hatte ich genug und Frau D. konnte jetzt in die Sauna gehen. Als sie fertig war, war auch der Lachs fertig und wir haben  draußen Abendbrot gegessen.
Es gab natürlich den super leckeren Lachs, dazu Kartoffeln mit Frauenmantel Pesto, Salat, die weiße Sauce und noch etwas an das ich mich nicht mehr erinnere. Das war mal wieder ein richtig schöner Abend und endlich war ich mal nicht alleine. Wir sind zurück zum See gegangen und haben dort den Sonnenuntergang genossen. Zurück im Gasthaus haben wir noch ein Glas vom guten Gin getrunken. Zum desinfizieren! Nein, war nur Spaß!

Am Sonnabend (Samstag) war leider meine Zeit in Finnland schon wieder zu Ende! Die Zeit vergeht so schnell! Ich habe die Zeit mit den netten gastfreundlichen Finnen und vor allem mit meinen Gastgeberinnen Anni, Henna, Ritva und Minna bei denen ich mich auch
bedanken möchte, sowie das tolle biologische regionale Essen wieder sehr genossen!
Dazu diese wunderschöne Landschaft mit den vielen Seen und schönen Wäldern.
Minna hat sich wegen mir alleine jede Menge Arbeit gemacht und ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei ihr dafür bedanken!

Nach dem wie immer leckeren Frühstück, musste ich noch sehen wie ich das Glas schwarze Johannisbeermarmelade und die zwei Brote in  meinem Koffer unterbringe. Dann war ich noch draußen ein paar Fotos machen und um 11 Uhr ging es ab zum Flughafen Kuopio und dann mit  Maske weiter bis nach Hause!

Hei Hei, Suomi!
Erlebt und geschrieben von
Sven E. aus dem auch wunderschönen Osterzgebirge.

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